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Die Völker in Ägypten |
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Ägypten - die heutige Vereinigte Arabische Republik - besteht zu 94
Prozent aus Wüsten und Wüstensteppen. Auf einer Fläche von 35.000 bis 36.000
Quadratkilometern - entlang des Nils und Nildeltas - wohnen 99 Prozent der 70. Millionen
(1961 = 26. Millionen) Ägypter. Wenn man diese Zahlen mit der Welt vergleicht,
so hat Ägypten mit eine der höchsten Bevölkerungsdichte der Welt.
Eine form des Arabischen ist ihre Sprache. Die Ägypter wohnen in Dörfern,
kleinen Städten und sogenannten Marktsiedlungen. Etwa 91 Prozent der Bewohner des
Landes bekennen sich der sunnitischen Richtung des Islam. Die Kopten bilden als
Nachkommen ägyptischer Christen eine besondere Rolle des Volkes. Sie heiraten fast
ausschließlich untereinander, weil sie bei einer Mischehe zum Islam konferieren
müßten. Ihre koptische Sprache ist aus dem Altägyptischen hervorgegangen,
hat aber heute nur als Kirchensprache eine Bedeutung.
Die Kopten leben in Städten und arbeiten meist als Angestellte, Händler
und Handwerker. In den Wüsten zwischen Nil und Roten Meer und im Westen des Nils
ist die Heimat der nomadisierenden Beduinen, die hier Kamel- und Schafherden
halten.
Im Südosten Ägyptens ist die Wüste das Gebiet der Bischarin-Nomaden,
eine Gruppe Bedscha - auch Bedja. Gruppen der Nubier siedelten einst im
äußersten Süden des ägyptischen Niltales, da aber der Assuan-Stausee
ihre Wohngebiete unter Wasser setzt, werden sie nach Mittelägypten umgesiedelt. Der
Großteil dieses Volkes lebt aber im Sudan.
Neben Ägyptern wohnen in den Großstädten Ägyptens auch
Griechen, Armenier und Juden - eigene Stadtviertel entstanden in Kairo,
wo sie obwohl sie schon seit Generationen hier wohnen, immer noch ihre eigene Sprache
sprechen.
Die neolithischen Kulturen von Fayum - etwa um 5 v: u. Z. - deren Fundort in
der Fayum-Oase südwestlich von Kairo liegen, Merimde in Unterägypten, Badari
und El Amara - beide Fundorte liegen in Mittelägypten, zählen zu den ältesten
Bevölkerungsgruppen Ägyptens. Die letztgenannten Kulturen gelten als die
Vorgänger der Bevölkerung des sogenannten Alten Reiches. Ihnen war bereits der
Getreideanbau sowie die Haltung von Ziegen vertraut. Langhornrind hatte man bereits als
Haustier eingeführt. Diese frühe Bevölkerung Ober- und Mittelägyptens
besaßbreits Parallen in der Wirtschaftsführung und Kultur zu den heutigen
Niloten. In der vordynastischen und frühen dynastischen Zeit ähnelte das Niltal
mit seinen Baum- und Buschdickicht, Sümpfen und Überschwemmungsgebieten der
heutigen Landschaft am Oberlauf des Nils. Der Bewässerungsfeldbau wird bereits seit
dem 4. Jahrhundert angewendet.
Aus Vorderasien wanderten libysche Stämme und Nomadengruppen nach Ägypten ein und
waren somit an der Bevölkerungsentwicklung im historischen Ägypten beteiligt,
jedoch sind von ihnen nicht alle ethnischen Einzelheiten bekannt. Die Nubier und die
Vorfahren der Bedscha sind in Oberägypten im Altertum bereits anwesend. Im
3. Jahrhundert v. u. Z. entstand im Niltal der &aUml;lteste Staat der Welt -
Ägypten. Das Alte Reich erstreckte im 3. Jahrhundert v. u. Z. bis südlich
von Assuan, im Mittleren Reich, welches im 2. Jahrhundert v. u. Z. existierte,
hatte das Gebiet des unteren Nubiens bereits erobert und das Neue Reich, das zwischen
1502 - 1085 v. u. Z. bestand, hatte ganz Nubien bis zum 4. Nilkatarakt ins
Reich gebracht.
Die Wirtschaftsorganisation war für die Kultur des alten Ägyptens kennzeichnend,
ebenso gab es bereits Bewässerungssysteme, ein hochentwickeltes Handwerk und eine
monumentale Architekt, die sich durch die Pyramiden und Tempelbauten auszeichnet. Die
Entwicklung der Hieroglyphen, welches als eine besondere Leistung der Menscheit gilt,
ist eine der ältesten Schriftsysteme der Erde.
Erobert wurde Ägypten 525 v. u. Z. vom Perserkönig Kambyses, erneut
332 v. u. Z. von Alexander von Mazedonien sowie an das römische Weltreich
30 v. u. Z. angegliedert. Durch diese Eroberungen änderte sich aber nicht
die Zusammensetzung der Bevölkerung, erst durch das neugegründete Alexandrien
kamen Angehörige anderer Nationalitäten wie den Juden und Griechen hinzu.
Seit dem 2. Jahrhundert breitete sich in Ägypten das Christentum aus, welches in
byzantinischer Zeit um 395 einen besonders hohen Einfluß erreichte.
Nach Ägypten wanderten nach Eroberung durch die Araber im Jahre 640 zahlreiche
größere arabische Bevölkerungsgruppen ein und gliederten somit das
Pharaoenland in das arabische Weltreich - Kalifat - ein. Die meisten der ansässigen
Bevölkerung übernahm den Glauben des Islam und auch die arabische Sprache.
Damit war das ägyptische Volk entstanden, das unter die Herrschaft der Mameluken
kam bevor es zu den Türken gelangte. Bis zur Revolution war Ägypten von 1882
bis 1952 unter dem Einfluss der Briten.
Das ganze Ackerland des Niltales wird bewässert, jedoch ist das Leben der Bauern von
den Jahresablauf der Nilüberschwemmungen abhängig. Beim höchsten Wasserstand
des Nils steht ein Teil der Felder unter Wasser, was für die Düngung wichtig ist.
Zwei verschiedene Arten der Wasserhebegeräte versorgen die höchst gelegenen Felder
zur Zeit des Niltiefstandes. Ein Typ des Ziehbrunnens ist der sogenannte Schaduf, der von
Menschenkraft gehoben wird, hingegen die Sakiye ein Schöpfrad ist, dass von Tieren,
wie Kamel, Esel oder Rind betrieben wird. Dammbauten und Motorpumpen lösten die alten
Pumpgerätschaften weitgehend ab und erweiterten zudem die Anbauflächen. Auf dem
bewässerten Land sind zwei bis drei Ernten im Jahr möglich. Die neugewonnene
Anbaufläche wird unter anderem für Exportgüter wie Baumwolle und Gemüse
verwendet.
Ein Großteil des Landes war vor der Revolution von 1952 im Besitz von
Großgrundbesitzern. Nur wenige Bauern besaßen ausreichend Land, die meisten
mußten Land pachten oder waren selbst Pächter. Großbauern übernahmen
die Funktion des Zwischenpächters und gaben Land an die Bauern - den Fellachen, die
ihrerseits dafür ein Viertel bis zwei Drittel der Ernte als Pacht bezahlten. Auch
mußte der Fellache an die Besitzer der Pumpen - meist Großbauern - oder an die
Sakiye-Betreiber - wohlhabende Bauern - ein Entgelt bezahlt werden.
Die bereits erwähnte Revolution von 1952 änderte die Besitzverhältnisse auf
dem Lande grundlegend, so dass der Besitz von 200 Feddan (1 Feddan = 4200 qm = 42 ar) nicht
überschritten werden durfte. Neben Weizen, Hafer, Mais, Bohnen, Linsen, Zwiebeln, auf
den Sandbänken des Flusses Wasser- und Zuckermelonen wird im Niltal für den Export
auch Baumwolle, Hanf und Leinen angebaut. Noch heute wird der Boden noch teilweise mit dem
Hakenpflug oder mit der Hacke aufgelockert. Mit Dreschflegel, Sichel und auch anderen
Gerätschaften wird das Getreide gedroschen.
Die Häuser der Bauern - Fallachen - sind aus Nilschlammziegeln gebaut, werden mit Kalk
getüncht und stehen zu Dörfern gruppiert auf kleinen Anhöhen. Selten sind bei
wohlhabenden Bauern die Gebäude zweistöckig - arme Bauern dagegen besitzen nur einen
Raum in ihren Behausungen. Die längste Zeit des Jahres findet das häusliche Leben
im Freien vor den Häusern statt. Das Inventar des Hauses besteht aus einem flachen Ofen,
Hocker, niedrigen Tischen und einigen Matten. Aus kupfernen Kesseln, Holzschüsseln,
Tonkrügen und -töpfen sowie aus größeren Gefäßen für die
Vorräte besteht der Hausrat.
Bauern tragen als Kleidung eine Gallabiya - ein hemdartiges Kleid - und eine Hose. Meist
dunkelfarbige Kleider tragen die Frauen. Am Tag des höchsten Nilstandes wird seit
mehreren tausend Jahren alljährlich ein Fest gefeiert, außerdem zu den Feiertagen.
Ein kleiner Teil der Fellachen lebt noch in der Gemeinschaft der patrilinearen
Großfamilie. Die Ehen sind monogram - Vielehe gibt es nicht mehr - auch bei den
äteren Generationen. Schwagerehe - der Besitz bleibt der Familie erhalten, kommt
allerdings auch häufig vor. Die Vetternehe ist bei der Fellachen-Bevölkerung seit
altersher charakteristisch, bei der Schwagerehe dem sogenannten Levirat, bleibt der Familienbesitz
erhalten. Heiratet der junge Mann die Tochter des Bruders seines Vaters - also heiratet die
Tochter seines Onkels - führt dies zur Erneuerung und Aufrechterhaltung der Verbindung
innerhalb einer Familiengruppe. Der Scheikh ist das Oberhaupt untereinander verwanderter Familien
in einem Dorf. Seine wichtigste Funktion ist Streitigkeiten beizulegen, die sich bei gemeinsamer
Arbeit ergeben und Beziehungen zwischen Familiengruppen zu regeln. Heute werden die meisten seiner
Funktionen durch Verwaltungen geregelt, das Ansehen des Scheikh beruht heute auf Traditionen, auf
seine Persönlichkeit. Der Kadi ist der Richter/Notar größerer Ortschaften und der
Muezzin ist der mohammedanische Gebetsrufer der moscheen, die es in größeren und kleineren
Orten gibt.
Bäuerliche Genossenschaften entstanden nach der Revolution, deren wichtige Aufgabe es ist, die
Bewässerung zu regeln. Eine weitere Aufgabe besteht im gemeinsamen Ankauf von Saatgut und dem
gemeinsamen Verkauf der Ernte. Neben Bildungszentren entwickelten sich auf dem Lande Schulen,
medizinische und veteräre Stationen sowie kulturelle Einrichtungen wie Kinos und Bibliotheken.
Handwerker und Händler und deren Arbeiter und Angestellten sind vor allem in den Städten
anzutreffen. Gelegenheitsarbeiter und Bettler sind nach der Revolution rückläufig. Mit
der Entwicklung der Leichtindustrie im 19. Jahrhundert vergrö6szlig;erte sich die arbeitende
Bevölkerung in den Städten. Saisonarbeiter und landarme Bauern machen über ein Drittel
der Arbeiter aus. Die Arbeiter der modernen Industrie wohnen in neu errichteten Stadtvierteln. |
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