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Die Inka, Cusco, Machu Picchu


 
 

Die Inka und der Inka-Staat Tahuantinsuyu, Cusco und Machu Picchu


Ein typisches Inka-Anwesen in Cusco - hier als Modell In die nachklassische Zeit fällt auch die Zeit der Staatenbildungen und das Auftreten einer Dynastie des Quechuavolkes (Ketschua) im Raum von Cusco (Cuzco) - den Inka.

Mit dem Wort "Inka" wurde eigentlich nicht das Volk bezeichnet, sondern war vielmehr der Name des Herrschers des gewaltigen Andenreiches. Die Geschichte und Fachliteratur übertrug diese Bezeichnung jedoch auf alle Bewohner - die gesamte Kultur, das ganze Volk.

Das Inka-Volk setzte sich eigentlich aus der Verschmelzung mehrerer kleiner Stämme - einige Hundert - zusammen, die entweder das Inka-Gebiet bewohnten und eingebürgert oder durch Kriege eingemeindet wurden. Cuzco, einst eine kleine peruanische Ansiedlung, entwickelten die "Könige" oder "Kaiser" zum Zentrum des Inka-Reiches - und wurde damit die größte Stadt Südamerikas, ja sogar des gesamten Amerika.

Woher die Inka einst kamen, wo ihr Ursprung liegt oder was ihre Urheimat war, ist bis heute noch nicht geklärt. Das Inka-Reich erstreckte sich während seiner größten Ausdehnung auf einer Fläche von etwa einer Million Quadratkilometer. Das Kerngebiet bildete jedoch das heutige Peru, welches in drei Regionen gegliedert wird. Diese drei Zonen können unterschiedlicher nicht sein: Einmal das Küstengebiet - die spanisch genannte Costa, das zentrale Bergmassiv - die Sierra und die im Osten des Landes gelegene Urwaldregion - die Montana.

Durch das feuchte Tropenklima spielt die Montana in der Geschichte der peruanischen Hochkulturen keine Rolle. Selbst heute ist die Montana für viele Peruaner ein unbekannter und exotischer Landstrich. Die Costa ist mehr als 2.000 Kilometer lang und etwa hundertzwanzig Kilometer breit. Trotz alledem das sie am größten Weltmeer unseres Planeten liegt, wird sie ständig von Dürre heimgesucht. Nur an den Flußläufen hatte sich in der Vor-Inka-Zeit Leben entwickelt. Die Costa wird an der Ostgrenze durch die Westkordilleren abgelöst, auf der sich zahlreiche halberloschene Vulkane aneinandereihen. Vom Nordwesten zum Südosten schließt sich an die Westkordilleren die Ost- oder Weißen Kordilleren - auch Mittel- oder Zentral-Kordilleren genannt - an. Wo ihre Kämme zusammenstreben, bildeten sich lange sowie enge Hochgebirgstäler. Der größte Teil dieses Gebietes bildet die als Puna oder Altiplano bezeichnete Hochebene. Hier liegt die Inka-Hauptstadt Cuzco.

In Peru hat sich laut den Vorstellungen von Huaman Poma Ayalas die Menschen in der Vor-Inka-Zeit durch Evolution von einer einfacheren zu einer fortgeschrittenen Gesellschaft entwickelt. Anfangs hätten die Menschengruppen in Höhlen friedlich nebeneinander gewohnt und sollen eine weiße Hautfarbe gehabt haben. Sie verehrten bereits den Gott-Schöpfer Viracocha als einzigen Gott. In dieser Zeit teilten sich die Menschen in Gruppen - es sollen Herren und gemeines Volk geboren wurden. Die erstgeborenen Söhne bildeten die altperuanische Aristokratie, der zweitgeborene Sohn wie auch die unehelichen Söhne bildeten das gemeine Volk. Im nächsten Zeitalter verließen die Menschen die Höhlen und erbauten Hütten, wurden seßhaft, betrieben Ackerbau und Viehzucht und haben die Bewässerung des Bodens erfunden. Die dritte Generation webte Stoffe, erließ Gesetze und teilte den Boden auf. Sie verließen die Gebirge und stiegen in die Ebenen hinab. Die vierte Generation - die als kriegerischen Menschen bezeichnet wurden, war in Kleinstaaten geteilt und an ihrer Spitze stand ein Militärbefehlshaber. In die Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen - so schreiben auch spanische Chronisten - sollen die Sonnensöhne gekommen sein. Sie sollten Frieden bringen und die Ordnung wieder herstellen. Diese wenigen Menschen eines Geschlechts waren aus dem Tal von Cusco gekommen, das auch der Hauptstadt der Inka den Namen gab.

Schon vor dem Erscheinen der Sonnensöhne siedelten im 3.400 Meter hochgelegenen Tal bereits Indios. Eine einzige Kultur, die im nordwestlichen Teil von Cusco lebte, konnte anhand von eindeutigen Funden als Chanapata-Kultur identifiziert werden. Sie hinterließen gebrannte Keramik mit Einstichen als Fundobjekt in größerer Zahl. Dieser Kultur folgte die Inka-Frühkultur. Über die Sprache dieser Menschen gibt es keine Erkenntnisse. Im Cuzco-Tal haben in der Vor-Inka-Zeit verschiedene Gruppen mit unterschiedlicher Sprache gelebt. Welche dieser Gruppen den Grundstein für die Sonnensöhne bildete, kann bis heute nicht eindeutig bewiesen werden. Selbst die Legende gibt keine Auskunft. Wahrscheinlich haben die Sonnensöhne diesen Ort, den ihre Vorgänger gegründet hatten, übernommen oder geerbt?.

Gemahlin des Inka - Nach Felipe Huamán Poma de Ayala Die Sonnensöhne verwandelten diesen kleinen Ort zum Nabel ihrer Welt, der zum Inbegriff des Imperiums - das Symbol für das gesamte Reich wurde.

Die Eroberung des Inka-Reiches durch die Spanier führte fast zur vollständigen Auflösung der Kultur der indianischen Oberschicht, während bei der Landbevölkerung manches ihrer ursprünglichen Lebensweise, Sozialorganisation und Glaubenswelt bis in die heutige Zeit erhalten blieben.


Die Inka-Gesellschaft


Im Inka-Staat "Tahuantinsuyu" gab es zwei diametral unterschiedliche Gesellschaftsschichten. Beide hatten voneinander einen extrem unterschiedliches Lebensniveau. Die einen waren die Vornehmen oder der Adel und die anderen der einfache gemeine sowie freie Bauer. Für einen zwischen ihnen existierenden sogenannten Mittelstand war kein Platz.


1. Gesellschaftsschicht - Die Vornehmen (Privilegierten), der Adel mit dem Herrscher an der Spitze


An der Spitze der Gesellschaft stand der absolute Herrscher der "Sohn der Sonne", der den Titel "Sapay Inca" trug. Er heiratete als Hauptfrau seine Schwester. Aus dieser Verbindung stammte der nachfolgeberechtigte Erbe, der allerdings nicht der erstgeborene Sohn sein mußte - der Herrscher suchte sich seinen Nachfolger selbst aus. Außerdem besaß er wie alle Vornehmen des Reiches eine große Anzahl von Nebenfrauen.

Im Inkareich gab es eine Reihe von gesellschaftlichen Klassen. Den hohen Adel bildeten vor allem Angehörige des Inka-Ayllus, die an ihren Rangabzeichen - großen Ohrgehängen - zu erkennen waren. Ihnen waren hohe Ämter in Verwaltung und Militär vorbehalten und sie erhielten vom Inka Auszeichnungen und Geschenke an Ländereien, Frauen und kostbare Kleidung. Eine Klasse unter ihnen stand die Klasse der "Curaca", die Fürsten oder Häuptlinge der unterworfenen Völker, denen je nach Stärke und Bedeutung ihres Stammes eine Funktion im Inka-Reich zugewiesen wurde.

Ferner gab es einen sogenannten Verdienstadel, der aus Leuten bestand, die sich durch bedeutende Leistungen hervorgetan hatten. Der Hauptbevölkerungsanteil lebte auf dem Lande. Sie gehörten in der Gesellschaft der Ayllu, der Verwandtengruppe an, deren Mitglieder ihre Existenz von einem gemeinsamen Vorfahren ableiteten, in einem bestimmten Wohnbezirk lebten und als Kollektiv Eigentümer der Dorfflur waren.


2. Gesellschaftsschicht - Der einfache, gemeine, freie Bauer - Hatun Runa


Dem Vornehmen stand der einfache, gemeine, freie Bauer mit extrem niedrigem Lebensstandard gegenüber. Dessen Gesellschaftsschicht stufte sich in 10. Altersklassen je männlich wie weiblich. Hier eine Übersicht:

Klasse Männer Frauen
1. Neugeborene Die kleinsten Mädchen gehörten zu diesen Altersklassen, die noch keine Pflichten hatten.
2. Säuglinge und Kleinkinder bis 3 Jahre
3. "Spielende Kinder".
Bestand aus Knaben bis zum 9. Lebensjahr, die bereits bei leichteren Hausarbeiten mithelfen mußten.
Mädchen, von fünf bis neun Jahren, mu6szlig;ten bei Hausarbeiten mithelfen und bestimmte Fertigkeiten erlernen. Einige wenige kamen in die Klöster der Sonnenjungfrauen und mußten als sogenannte Vestalinnen der Inka dienen.
4. "Jene, die Vögel fangen".
Die 9- bis 12-Jährigen Jungen
Mädchen, von 9 bis 12 Jahren, wurden schon zu üblichen Landarbeiten wie Kräutersammeln und und in die Kunst des Webens eingeführt.
5. Jünglinge, von 12. bis zum 18. Lebensjahr, die als Lamahirten eingesetzt wurden. Frauen, von zwöf bis achtzehn Jahren, die noch bei ihren Eltern lebten. Sie mußten ihre Keuschheit bewahren, sonst hätte man sie mit dem Tod bestraft. Die schönsten und intelligentesten Mädchen kamen in die Klöster der Sonnenjungfrauen.
6. Saia Paiac = 18. bis zum 25. Lebensjahr.
Männer in dieser Altersgruppe wurden zum Wehrdienst heranzogen oder wurden als Kurier, als Meldeläufer - dem Casqui auf Quechua - des Postdienstes des Reiches eingesetzt.
Mit achtzehn Jahren erwarbensie das Recht zu heiraten. Während ein Mann verpflichtet war, eine Frau zu heiraten, wollte eine Frau lieber die Kebsfrau eines Würdenträgers werden.
7. Diese war die bedeutendste Altersklasse der Männer, die 25- bis 50-Jährigen. Sie waren die echten Bürger des Staates - die Purice. Sie waren die Steuerzahler des Staates, die kein Geld zahlen mußten, sondern durch ihre Arbeit die Schuldpflicht beglichen. Frauen, von achtzehn bis dreißig Jahren, gehörten zu dieser Altersklasse. Wenn sie keinen Lebenspartner fanden, konnten sie zuweilen die Konkubine eines hohen Staatsbeamten werden.
8. Männer, vom fünfigsten bis achtzigsten Lebensjahr, mußten auch noch arbeiten, aber weniger körperlich anstrengende Arbeit, wie beispielsweise die öffentliche Erziehung der Jugend ihrer Gemeinde, verrichten. Frauen, von dreißig bis fünfzig Jahren, die unverheiratet waren, gehörten zu dieser Altersklasse.
9. Männer über dem achtigsten Lebensjahr, Greise gehörten dieser Altersklasse, die auch als Schlä,fer bezeichnet wurde, an. Ihre vornehmliche Beschäftigung sagt schon diese Bezeichnung. Frauen, zwischen dem fünfzigsten und achtzigsten Lebensjahr.
10. Diese Altersklasse war altersmäßig nicht genau definiert. Ihnen gehörten Kranke und körperbehinderte Männer angehörten. Zu dieser Altersstufe gehörten Frauen, die selbstständig, aber altersmäßig nicht genau definiert und invalid waren.


Die Inka und ihre Herrscher


Das Wort "Inka" steht nicht in erster Linie als Bezeichnung des Volkes, sondern vielmehr für den König dieses Volkes.


Die Inka-Herrscher und ihre Frauen (soweit bekannt)


Die ersten vier Inka-Herrscher regierten - so schreiben die Geschichtsschreiber - vom unteren Cuzco, Hurin Cuzco, aus und die Nachfolger vom oberen Cuzco, Hana Cuzco. Der fünfte Herrscher errichtete seine Residenz an einer Furt am Huatanay-Fluß weiter oben den die Alcahuiza-Indianer Pucamarca nennen. Die Inka nannten diese Übersiedlung aus der Inticancha nach Pucamarca. Inka Herrschername Amtszeit Seine Frau
1. Manco Capac ab etwa 1200 Mama Ocllo
2. Sinchi Roca Mama Coca
3. Lloque Yupanqui Mama Caua
4. Mayta Capac Mama Tucucaray
5. Capac Yupanqui Curihipsy
6. Inca Roca um 1350 Mama Micay
7. Yahuar Huacac Mama Chicya
8. Viracocha Inka Mama Rondocaya
9. Pachacuti Inka Yupanqui 1438 - 1471 Mama Anacuarqui
10. Tupac Inka Yupanqui 1471 - 1493 Mama Ocllo II.
11. Huayna Capac* 1493 - 1527 Arauna Ocllo
Inka-Reich nach der Teilung
12. Huascar 1527 - 1532 Chucuy Huypa
13. Atahualpa 1527 - 1533
Inka-Reich nach der spanischen Eroberung
14. Tupac Huallpa 1533
15. Manco Capac II.
(auch: Manco Inca)
1533 - 1544
16. Sayri Tupac 1544 - 1561
17. Titu Cusi Yupanqui 1561 - 1570
18. Tupac Amaru 1570 - 1572
Die Schreibweise der Herrscher weicht in der Literatur manchmal ab.
In meinen Inka-Kapitel biete ich mehrere Schreib-Varianten an.
Fehlende Angaben in der Namensliste werden ergänzt sobald ich Informationen habe.
* = letzter Herrscher vor Ankunft der Spanier


Die Lebensweise der Inka


Bei der Aussaat - Nach Felipe Huamán Poma de Ayala Im Inka-Reich gab es zwei voneinander unterschiedliche Gesellschaftsschichten, deren Niveau extrem unterschiedlich war. Dem Vornehmen - dem Adligen - stand das einfache, gemeine Volk gegenüber.

Der einfache Bürger - im Quechua: Hatun Runa - war nicht faul, hatte aber ein solch niedrigen Lebensstandard, dass er nur das zum Leben unbedingt Notwendige besaß. Wenn er nicht gerade seine Felder bestellte, diente er im Inka-Herr oder kam der Erfüllung der Mita, seiner Arbeitspflicht, nach.

Das grundlegende Prinzip der Inka-Gesellschaft war die Selbstgenügsamkeit, Selbstversorgung - auch Autarkie genannt. Das Prinzip beruhte darauf, sich von den Produkten des Pacht-Grundstückes selbst zu ernähren und zu kleiden. Für die Kleidung wurden deshalb Lamas gehalten, aus deren Wolle Garn gesponnen und Kleidung gewebt wurde.

Bei der Aussaat - Nach Felipe Huamán Poma de Ayala Nur zwei hauptsächlich aus Kartoffel- oder Maissuppe bestehende Mahlzeiten gab es am Tag. Eine andere Speise war der aus Dörrkartoffeln zubereitete "Locro"-Brei. "Mote" wiederum war das Nationalgericht der Inka, eine Speise, der oft Paprika und Gemüse beigemischt wurde. Sehr selten gab es Fleisch. Nur bei festlichen Anlässen wurde Lamafleisch gegessen, weshalb beinahe jeder Haushalt sich Meerschweinchen zum Verzerr hielt.

Wie überall auf der Welt hatten auch im alten Peru die Frauen, speziell hier im Inka-Reich, über Mangel an Beschäftigung nicht zu klagen. Sie arbeiteten mit ihren Männern auf dem Feld, sponnen die Wolle der Lamas - sogar im Gehen, brachten die vom Inka-Reich geforderten Kinder zur Welt und erledigten zudem noch alle anfallenden Hausarbeiten.

So wenig Abwechslung im Essen war, so eintönig war auch die Kleidung der Männer und Frauen. "Huara" hießen die kurzen Kniehosen, die das Zeichen der Männerwürde kennzeichneten, dazu trug er noch - die als "Unco" bezeichneten - kurzärmlichen Hemden. "Anacu" hießen die von den Frauen getragenen über den Kopf gezogenen Wollgewänder, die mit einem schön verzierten Gürtel in Form gebracht wurden. Männer wie Frauen trugen bei kühleren Wetter lange, warme Wollmäntel. Sogenannte "Asutu"-Sandalen aus Lamawolle war die typsche Fußbekleidung sowohl der Frau als auch des Mannes.

Die auffälligste Bekleidung beider Geschlechter war allerdings die Kopfbedeckung. Sie war wichtigstes Unterscheidungsmerkmal aus welcher Region eine Person stammte oder welchem Stamm sie angehörte.

Einfach, fensterlos und fast ohne Möbel waren die Hütten der Indianerfamilien, die mit Tonöfen, in welchen man Lamadung verbrannte, bei kalter Witterung beheizt wurden.

Schon zur Vor-Inka-Zeit war der landwirtschaftliche Boden das wichtigste Produktionsmittel. Er war gemeinsames Land - also Gesamteigentum, der im Bereich des Ayllu allen Angehörigen gehörte. Jede Familie erhielt entsprechend ihren Bedürfnissen ein Stück Land. Es wurde auch nicht ihr Eigentum, sondern wurde nur genutzt. Zur Zeit der Inka regelte eine neue Verordnung die Bodenverhältnisse. Rechtlich gehörte das Land dem Inka - dem Herrscher. Das Land einer Ayllu war in drei Teile gegliedert: Über den ersten Teil - Das Land des Inka - verfügte der Herrscher selbst, der zweite Teil - Das Land der Sonne - war für die Priester bestimmt und diente für die Zeremonien und der dritte Teil war das sogenannte Land des Volkes, das die gesamten landwirtschaftlichen Produkte erzeugte.

Jedem erwachsenen männlichen Gemeindeangehörigen des Tahuantinsuyu erhielt alljährlich ein Stück Land zur Bestellung. Das zugeteilte Land wurde Tupu bezeichnet. Ein Tupu entsprach ungefähr einer Fläche von 30 Ar. Jede Frau hatte das Anrecht auf die Hälfte dieses Bodens. Die gesamte Familie eines Puric bewirtschaftete gemeinsam das Land. Nachbarschaftshilfe war traditionell in den Anden, so das die einzelne Familie von den übrigen Ayllu-Angehörigen unterstützt wurde. die Felder des Herrschers und der Kirche wurden von der gesamten Dorfgemeinschaft bestellt. Die Feldarbeit bestimmte den Lebensrhythmus. Der kleine Mann - Puric - war jedoch auch Soldat des Sonnenköigs.

Eine Vielzahl von Kulturpflanzen wurden in allen Teilen des Reiches angebaut - von den feuchten Tropen bis zum Rande des Amazonas sowie in den Niederungen des Küstenlandes. In der Costa verwendete die Inka die Bewässerungstechnik, die sie von ihren Vorgängern übernommen hatten und zu einem ausgedehnten, effektiven Bewässerungssystem ausbauten. Sogenannte Wasserwirtschaftler - Beamte - waren für die Bewässerungsanlagen zuständig, ebenso für den Bau und die Erweiterung des Kanalsystems. Auch die Sierra wurde intensiv für den Ackerbau genutzt.

Grundnahrung waren Kartoffeln, Mais, Quinoa und andere Knollengewächse.


Der Terrassen-Feldbau


Terrassenanlage Im hügeligem oder bergigem Gelände wurden oft Terrassen zum Bewässerungsfeldbau angelegt. Geringe Wassermengen konnten so rationell genutzt werden. Das Wasser wurde von einer Terrassenstufe zur nächsten geleitet, so konnte bebaubares Land geschaffen werden.

Besonders große Terrassenanlagen sind in den peruanisch-bolivianischen Anden geschaffen worden. So konnten auch steile Berghänge zu Kulturland umgewandelt werden. Für die Anlage einer solchen Terrasse waren zahlreiche Menschen wie auch mehrere Generationen notwendig. Familien - ja sogar ganze Dörfer beteiligten sich beim Bau.

Planmäßige Zusammenarbeit war Voraussetzung für die Instandhaltung des Bewässerungssystems. Die Verteilung des Wassers über einen Tag oder über das ganze Jahr setzte technisches Können und bestimmte rechtliche Regeln - wer größere oder kleinere Wassermengen erhält - voraus. Ein Gremium - nicht eine einzelne Person - einer Dorfgemeinschaft war mit der Leitung dieser Arbeiten betraut, da dies das gesamte Dorf anging.

Wenn der peruanische Indio - in dem Fall Inka - nicht seine Felder oder die des Inka bestellte, auch nicht in der Armee diente, so befaßte er sich mit Viehzucht von Lamas und verwandter Tierarten, hier vor allem mit dem Alpaka. Diese Tiere verwendete man als Schlacht- oder Lasttier oder wurde wegen der hervorragenden Wolle gezüchtet.

Ein wilder Urahn des Lama oder eine Kreuzung aus diesem war das Guanako. Es wurde von den Inka eingefangen, geschoren und vor allem die Weibchen und auch gut gebaute Männchen wieder in die Freiheit entlassen. Das schönste aus der Kamelfamilie - das Vikunja - lebte wie das Guanako in der Freiheit. Deren "Cumpi" genannte Wolle verarbeite man im Inka-Reich zu gleichnamigen Stoffen, die ausschließlich für den Herrscher und deren nächsten Verwandten gewebt wurden.


Die Webkunst der Inka


Die Wolle der Lama, Alpaka, Vikunja und Guanako wurde sowohl von Frauen als auch Männern versponnen und hochwertige Stoffe waren das Ergebnis. Wie im Handwerk so auch in der Verarbeitung von Wolle zu Stoffen stützten sich die Inka auf hervorragenden Handwerkstraditionen der altperuanischen Kulturen. Allerdings erreichten die Inka-Weber nie das künstlerische Niveau der Stoffe und Gewebe der Bewohner der im Süden befindlichen Halbinsel Paracas. Die Inka-Tuchmacher verwendeten neben der Wolle der südamerikanischen Kamelfamilie auch die Baumwolle.

Die zum Weben verarbeitenden Wolle wurde oftmals auch gefärbt. Dazu verwendete man beispielsweise die Samen des Advokadobaumes, die eine blaue Farbe ergaben. Für andere Farben kannten die Inka auch verschiedene Erze wie Kupfer und Zinn. An Tuniken der Würdenträger nähte man auch Gold- und Silberplättchen an.

Um aus der Wolle Stoffe und Gewebe herzustellen, kamen drei verschiedene Arten Webstühle zum Einsatz - auf Quechua als Ahuana bezeichnet.


Das Handwerk der Inka


Goldmaske Goldfigur, die in Menschengröße aus purem Gold hergestellt wurde. Ein Handwerkszweig in Tahuantinsuyus war die Töpferei. Auch für die Herstellung von keramischen Erzeugnissen griffen die Inka auf Traditionen der hochentwickelten und qualitativ hochstehenden Töpferkunst älterer Kulturen Perus zurück. Ganz besonders sind in dieser Kunst die Mochica zu nennen.

Die alten Peruaner kannten allerdings noch keine Töpferscheibe. Trotzdem weisen ihre Erzeugnisse eine hohe Qualität auf. Hergestellt wurden Kult- und Gebrauchsgegenstände, die aus Ton geformt worden, jedoch auf nur wenige Formen beschränkt war. Die Produktpalette bestand aus riesigen Kochgefäßen in roter Farbe, Eßschalen, dreibeinigen Töpfen und mehr.

Handwerklich waren die Produkte sorgsam gearbeitet und wiesen eine reiche, vierfarbige Bemalung auf, die meist aus geografischen Ornamenten, aber auch aus Darstellungen von Vögeln, Fischen, Schmetterlingen und Pflanzen bestand.

Im Inka-Land gab es ausreichend Material zur Herstellung von Keramik. Feuchter Ton wurde solange geknetet bis ein lockerer Brei entstand, den man in einigen Gegenden noch quarzhalige Substanzen beimischte, um ein festeres Ausgangsprodukt zu erhalten.

Die Inkas kannten bereits ein in Südamerika entwickeltes Verfahren des Pressens von Ton in feste Formen. Damit war es möglich, ganze Serien eines gleichen Erzeugnisses herzustellen. Diese durch ein halbindustrielles Verfahren produzierte Keramik wies noch dazu eine gute Qualität auf. Mit genannter Methode waren die Inka schon in der Lage eine Art Serienfertigung zu betreiben. Für das Brennen dieser Keramik kannten die Töpfer eine Art Brennofen.

Neben Ton verarbeiteten die Inka auch Holz. Von diesen Arbeiten ist aber nur wenig erhalten geblieben. Meist stellten sie aus diesen Produkt eine Art Becher her - dem sogenannten Kera, der oft mit Bildnissen des Herrschers oder anderer Würdenträger des Reiches verziert waren. Diese Erzeugnisse erreichten aber kein besonders hohes Niveau in diesem Handwerk.

In der Metallver- und -bearbeitung übertrafen die alten Peruaner fast alle anderen altamerikanischen Kulturen. Und hier speziell hier wurden Edelmetalle, aber vor allem das Gold verarbeitet. Es stand im Mittelpunkt des gesamten Staates und des gesamten Lebens. Deshalb wurde auch das Inka-Reich oft als Goldland bezeichnet.


Bildung und Wissenschaft der Inka


Die Universität 'Yachahuasi' und Coricancha, das Sonnenobservatorium Für das 16. Jahrhundert fernab von Europa und allen anderen Erdteilen besaßen die Inka bereits ein recht hohes Schulsystem. Ein Knabe konnte problemlos eine vollständige Bildung bzw. Ausbildung bekommen. Das Inka-Wissen hatte bereits auf den Gebieten der Künste und der Wissenschaft ein ordentliches Niveau erreicht.

Die Universität "Tahuantinsuyu" hatte Inka Roca in Cusco eingerichtet und wurde auf Quechua "Yachayhuasi" = "Haus des Wissens" genannt. Nicht jeder junge Mann war berechtigt diese Einrichtung zu besuchen. Sie stand nur den Söhnen vornehmer Familien offen, denn nur die junge Generation der Elite des Sonnenstaates sollte für die Zukunft ausgebildet werden.

Mädchen hatten keine Chance eine höhere Schulbildung zu erhalten, bestenfalls in Klöstern - den Acclahuasi - konnte es erzogen werden. Sonst wuchs es in seiner Familie auf und lernte von ihrer Mutter gutes Benehmen und alle notwendigen Fertigkeiten für alle Hausarbeiten.

An der Yachayhuasi unterrichteten die Gelehrten und Weisen des Staates - die sogenannten Amuntus. Vier Jahre dauerte ein solches Studium, bei dem in vier Hauptstudienfächer unterrichtet wurde. Hier die vier Fachrichtungen:

      1. Fach: Die Staatssprache des Reiches - das Runa Simi auch Quechua genannt.
      2. Fach: Die Sonnenreligion des Landes
      3. Fach: Die Beherrschung der Knotenschrift - der Quipu und
      4. Fach: Die Kriegskunst mit dem Nebenfach Geschichte.

Die militärischen Erfolge früherer Herrscher wurden in der Geschichtswissenschaft behandelt, um eine wissenschaftliche Begründung für Eroberungsfeldzüge den künftigen Sonnenkönigen zu geben.

Wie bereits beschrieben, so wurde neben der Kriegskunst auch Geschichte gelehrt. Zusätzlichen Lehrstoff erhielten sie noch in Geographie, um die geographischen Gegebenheiten ihres Reiches und die Welt darum zu kennen. In der dritten Fakultät wurde neben der Erlernung der Knotenschrift auch das Studium der Mathematik und Grundlagen der Statistik vermittelt. Die Grundlagen der inkaischen Philosophie war Lehrstoff der Theologie. All dieses Wissen war für den künftigen Herrscher notwendig, um entsprechend ihres Amtes gerüstet zu sein.

Sonnenobservatorium von Machu Picchu Die Inka-Religion, in der die Welt von Himmelsgestirnen gelenkt wurde, muß auch eines der Hauptfächer die Astronomie gewesen sein. Nicht alle wissenschaftlichen Disziplinen errangen eine solche Bedeutung wie die Medizin (anderes Thema der Inka-Seiten) und die Astronomie. Das die Astronomie eines der wichtigsten Fachrichtungen wurde, verdankt sie dem Umstand, dass die Himmelsgestirne wie Sonne, Mond, Venus Hauptgottheit bzw. Nebengötter der Sonnensöhne wurden.

Die Inka beteten als Hauptgottheit die Sonne an, weshalb auch der Sonne das Hauptaugenmerk ihrer astronomischen Wissenschaft gewidmet wurde, aber auch den Sonnenwenden - Sommer- und Wintersonnenwende im Juni und Dezember - den Sonnen-Äquinoktien und den Tagundnachtgleichen waren wichtige Beobachtungskriterien. Diese Beobachtungen hatten besondere Bedeutung bei der Ermittlung der genannten Daten im Laufe eines Sonnenjahres. Dazu waren im ganzen Inka-Reich an verschiedenen Orten Observatorien errichtet worden. Das wichtigste dieser Einrichtungen war das Sonnenobservatorium in Cusco.

Diese astronomischen Beobachtungen hatten zweifellos für den Staat - vor allem für die Landarbeiter großen Nutzen, da sie den günstigsten Zeitpunkt für die Aussaat ebenso für die Ernte lieferten.

Auch Sternwarten - auf Quechua "Intihuatana" = "Orte, an denen die Sonne gefesselt ist", gab es in Cusco. Sie waren in die Felsen gehauen und besaßen in der Mitte einen steinernen Pylon - Gnomon, der durch seinen Schattenwurf die Uhrzeit anzeigte. Fiel kein Schatten war es Mittag, bei einem kurzen Schatten Vormittag und ein langer Schatten zeigte den Nachmittag an.

Wichtiges Beobachtungsobjekt war die Sonne. Neben ihr beobachtete man auch den Mond mithilfe eines sogenannten Mondfels = "Quillarmi", Mars, Merkus und Saturn. Das Interesse der Inka galt aber auch den Plejaden, den Sternbildern, genauso wie dem Sternbild "Kreuz des Südens".


Kalender, Schrift und Sprache der Inka


Der peruanische Kalender


Der Inka-Kalender war eigentlich auf dieArbeit der Bauern ausgerichtet, hatte 365 Tage und war wie unserer Kalender in 12 Monate eingeteilt. Jedoch besaß er nicht die Genauigkeit und Vollkommenheit wie bei den Kalendersystemen der mittelamerikanischen Indianer. Jeder Monat hatte genau 30 Tage - 30 Tage x 12 Monate = 360. Die letzten fünf bzw. bei Schaltjahren sechs Tage, die sogenannten Jahresendtage - waren arbeitsfreie Tage auf was schon ihr Name Allca conquis in der Quechua-Sprache hinweist.

Der erste Monat im Inka-Kalender entsprach unserem Dezember und der letzte dem November. Pachacuti hatte unzählige Reformen bewerkstelligt. Eine betraf sogar der Neugestaltung des Inka-Kalenders. Seine Bestrebungen gingen so weit den Kalender zu vereinheitlichen, so das Sonnen- , ein Huata, und das Mondjahr in Einklang kamen. Er war es, der den Beginn des Inka-Jahres auf den Dezember verschob. Die Einteilung des Jahres in Monate und Tage hatte wie bereits hingewiesen eine wichtige Rolle im Leben des Reiches. Die Monatsnamen geben Auskunft, welche Tätigkeit in der Landwirtschaft auszuführen seien.

Die Sonnensöhne hatten gesetzlich verankert, dass es beinahe in jedem Monat ein Fest gab oder ein Feiertag begangen werden konnte, um in das eintönige Leben auf dem Lande etwas Abwechslung zu bringen. Das Wort Feier oder Fest in der Quechua-Sprache heißt Raymi und ist fast in allen Monatsnamen zu finden.

Inka-Monatsname
Peruanischer Kalender
Übersetzung Unser Monat
Gregorianischer Kalender
Anmerkung
Capac Raymi "Großes Fest"
oder
"Herrlicher Feiertag"
Dezember Während des großen Festes wurden die Kartoffeln gesetzt und Quinoa gesät und das feierliche Reifefest der jungen Männer fand statt.
Huchuy Pokoy Monat der Reife Januar
Hatun Pokoy Monat der großen Reife Februar Zu Ehren der Sonne wurden Meerschweinchen geopfert.
Paucar Huaray Blumengewand
oder
Monat der Blütenreife
März In diesem Monat wurde ein entsprechendes Fest gefeiert.
Ayriway Tanz der jungen Maiskolben April
Aymaray Erntegesang Mai Im Mai feierte man das «Fest der Mama Sara» = «Mutter des Maises»
Inti Raymi Sonnenfest Juni Im Monat der Sonnenwende wurde das größte Fest gefeiert, welches Inti geweiht war.
Cana Warkis Zeit der Rast Juli
Yapakis Zeit der großen Reinigung August
Coya Raymi Fest der Königin September
Auma Raymi Zeit der Wasser
oder
Fest des Regenhimmels
Oktober
Ayamarks Totenfest
Zug der Toten
November



Quipu - Eine Knotenschrift?


Die Sprache der Inka - das Quechua - hat bis in die Gegenwart überdauert.

Kannten die Inka auch eine Schrift und war dies die Knotenschrift Quipu?
Quipu - Die Knotenschrift der Inka war ein auf mathematische und statistische Aufzeichnungen gestütztes Dezimalsystem. Von fast allen bedeutenden antiken Kulturen ist eine Schrift bekannt. Auch das die Inka eine Schrift besaßen, wird oft behauptet und zwar die Knotenschrift. Das Quipu der Inka war aber keine Schrift, sondern hatte eine andere Funktion.

Ja, wenn das Quipu keine Schrift war, was war es dann?
Das Quipu war ein System für mathematische und statistische Aufzeichnungen, welche von besonders ausgebildeten Inka-Fachleuten - den Quipucamayoc - beherrscht wurde. Diese Spezialisten waren hochgeachtete Staatsbedienstete, die alle Daten evidierten oder gleich dem Inka nach Cusco weiterleiteten.

Mit dem Quipu wurden die Ernteerträge einzelner Verwaltungsbezirke des Inka-Reiches, der Ertrag von Kartoffeln, Mais, Quinoa ..., die Anzahl der hergestellten Stoffe, die Ausbeute an Edelmetallen und Gold sowie die Bestände der Tierherden erfaßt.

Aber auch andere statistische Werte konnten mit dem Quipu aufgezeichnet werden wie beispielsweise über den Stand der Streitkräfte oder Bevölkerungsstatistiken. Bei letztgenannten konnte die Erfüllung von Steuerschulden und Entwicklung der Bevölkerung ermittelt werden.

Das System des Quipu
So ein Quipu konnte unterschiedlich groß sein, er bestand aus einer dicken Hauptschnur an die im rechten Winkel dünnere farbige Schnüre geknüpft waren und das eigentliche Informationssystem darstellten. Die Inka verwendeten das Dezimalsystem. Ein Knoten in einer der Schnüre bedeutete eine Ziffer, deren Wert von der Lage auf der Schnur abhing. Es gab Einer, Zehner, Hunderter, Tausender und Zehntausender. Ein Knoten ergab die Ziffer EINS, ein doppelter Knoten die ZWEI usw. Das Symbol der Ziffer NULL war ein leerer Faden.

Die Position eines Knotens auf der Schnur war nicht allein für die Deutung wichtig, sondern jeder Farbe war auch ein besonderer Schlüssel zugeordnet, wie die Knoten zu lesen waren. Eine gelbe Schnur stand für Gold, eine weiße für Silber, eine rote war für die Aufzeichnungen der Armee zuständig. Aber auch abstrakte Bedeutung konnte so ein Knoten haben, so stand die weiße Farbe für Frieden, die schwarze für Krankheit. Ob es Zeichen für Männer, Frauen oder Kinder gab, ist nicht überliefert.

Jedem Gouverneur eines Verwaltungsbezirkes war ein Quipudeuter, der ein Quipu lesen und schreiben konnte, zu gewiesen. Ein Quipu wurde wegen der nicht immer eindeutigen Zuordnung nie ohne mündliche Botschaft überbracht.

Ein Gelehrter - im Quechua Amautu - mit dem Namen Illa soll während der Herrschaft des Inka Mayta Capacs - 4. Herrscher - die Quipu-Knotenschrift entwickelt haben. Sie verbreitete sich im ganzen Reich als ein Hilfsverständigungsmittel. Von diesen Quipu sind heute noch zahlreiche Exemplare erhalten. Ein Quipu ist ein sehr geeignetes Mittel für die Mathematik und Statistik, aber eindeutig keine Schrift.

Hatten die Inka auch eine Schrift?
Tocapu-Zeichen - Sind das Schriftzeichen? Für mich ja Es gibt keine eindeutige Antwort auf diese Frage. Wenn die Inka und ihre Vorgänger eine Schrift hatten, dann unterschied sie sich von europäischen Vorstellungen derart, dass die Konquistadoren sie als solche nicht erkannten.

Pedro Sarmiento de Gamboa (1530 - 1592) war ein spanischer Seefahrer, der erzählte, dass der Inka Pachacuti - 9. Herrscher - im Nationaltempel, dem Coricancha, große Leinwände mit Goldrahmen aufhängen ließ, auf denen die Geschichte der Inka für die Nachwelt aufgezeichnet war. Ebenso soll der Herrscher auf Stoffe gezeichnete Berichte erhalten haben.

Die gezeichnete Inka-Geschichte wurde im Puquincancha - dem Inka-Archiv - gleich neben dem Sonnentempel in Cusco aufbewahrt. Bei der Eroberung von Peru zerstörte man dieses Archiv und damit gingen die beschriebenen Leinwände verloren.

Obwohl das Quechua angeblich keine Schrift hatte, soll gleich nach der Eroberung von Peru ein Sprachlexikon des Mönches Domingo de Santa Tomás erschienen sein, in dem für den Begriff "Schrift" das Wort "quillca" angeführt wurde.

Es wird auch angenommen, dass die oberste Inka-Elite und Inka-Gelehrte eine Art Bilderschrift kannten. Dabei könnte sich aus einem Wort eine entsprechende stilisierte Darstellung entwickelt haben. Wissenschaftler und Gelehrte beschäftigten sich mit diesem Thema und entdeckten an Textilien und Tongefäßen eine Art Bilderschrift, heute als Tocapu benannte Zeichen.

Sollte es gelingen, diese Inschriften zu dechiffrieren, so könnte eine völlig unentdeckte Quelle der Erkenntnis das alte Peru und seine Zivilisationen erfassen.


Die Sprache - auf Quechua "Runa Simi"


Die Volkssprache der Inka war und ist auch heute noch das Quechua - auf Quechua "Runa Simi". Wörtlich übersetzt, bedeutet Runa Simi = "Sprache des Volkes", "Volkssprache" oder auch "Volksmund". Einen reichen Wortschatz besitzt die Quechua-Sprache, bei der die vorletzte Silbe betont wird. Problemlos lassen sich im Runa Simi neue Begriffe und Worte durch Nachsilben und Suffixe bilden.

Da im Inka-Reich viel Wert auf Organisation und Statistik gelegt wurde, mußte auch die Sprache ein hochentwickelte Zahlensystem besitzen. Fünf verschiedene Arten von Zahlwörtern sind heute bekannt - Grundzahlen, Ordnungszahlen, Teilzahlen, Multiplikationszahlen und Wiederholungszahlen.

Wie in anderen Sprachen, so gibt es auch im Quechua einfache wie zusammengesetzte Verben. Letztere wurden durch Verbindung von Silben, die Verdoppelung des Verbes oder durch Lautmalerei aus Empfindungswörtern gebildet. Im Quechua gibt es mehr zusammengesetzte Wörter als einfache. die Sprache kennt nur drei Zeitformen und zwar die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft. Durch spanischer Einfluss kamen noch die historischen Zeiten hinzu - die man als Vorvergangenheit, Vorvorvergangenheit und Futurum II bezeichnen muß.

Die Inka mußten nicht nur unzählige Völker zu einem einigen, eine einheitliche Religion geben und eine gemeinsame Regierung den Staat verwalten lassen, sondern auch eine einheitliche, gemeinsame Sprache - aus etwa zweitausend verschiedenen Indianersprachen - wählen - dies wurde das Quechua.

Selbst 500 Jahre nach der Vernichtung der Inka und ihres Reiches hat die Sprache der Sonnensöhne überlebt. Überdies sprechen heute noch mehr Menschen Quechua als alle anderen Indianersprachen Amerikas zusammen.

Hier einige Worte auf Quechua - dabei sind auch Namen:

auf Quechua - auf Deutsch
Allca conquis - arbeitsfreie Tage
Amaru - Schlange
Capac - der Reiche
Coyllur - Stern, Sternlein
Huaman - Habicht, Kondor
Illapa - Donnergott
munahusay - Liebe mich!, Hab mich lieb!
munakullahuay - liebe mich (sagt man, wenn um liebe flehen muß)
munarihuay - süß geliebt werden
Occlo - Reine, Keusche
Quilla - Mondgöttin
quillca - Schrift
quillcangui - schreiben
quillascuni - lesen
Quipu - Knoten
Rutuchicoy - Taufe
Ronto - Ei, Kleines Ei
Sara - Mais
Sinchi - der Mächtige
Sinchi Amaru - Starke Schlange
Titu - der Freie
Yupanqui - der Angesehene



Die Medizin der Inka und ihre berühmten Schädeltrepanationen


Operationsmesser aus Kupfer, mit ihm wurde die Schädeldecke angebohrt, siehe 2. Abbildung Zweit wichtigste Wissenschaftsdisziplin der Inka war hinter der Astronomie die Medizin. Das Interesse an guter Gesundheit war im Inka-Reich nicht nur Angelegenheit des einzelnen, sondern die Sache des Staates. Der Staat wollte gesunde Purice, wie die Bauern und Steuerzahler im Inka-Reich hießen, ebenso auch gesunde Soldaten.

Die ärztliche Kunst wurde in Tahuantinsuyu - im Inka-Staat - besonders gefördert, auch wenn wirklich komplizierte und zugleich nützliche Eingriffe vorgenommen wurden, kam es immer wieder vor, das Heilverfahren Anwendung fanden, die nichts mit Wissenschaft, sondern eher in den Bereich der Magie angesiedelt waren. Trotz manchen Rückfalls in alte magisch, medizinische Vorstellungen hatte die ärztliche Kunst der Inka, Methoden und Mittel entwickelt, auch in der Pharmakologie, die ein hohes medizinisches Wissen voraussetzten.

Bei Verdauungsstörungen setzten bereits die Inka-Internisten eine sogenannte Klistierspritze ein, mit der über den After Flüssigkeit in den Körper geblasen wurde. Wesentlich mehr medizinische Instrumente wurden von den Chirurgen entdeckt.

Eins der wichtigsten dieser Chirurgen-Instrumente war das sogenannte Tumi - ein an ein Hackbeil aus der Küche erinnerndes Bronzemesser. Zudem verwendeten sie in mehreren Größen hergestellte Skalpells, sogenannte "Turniketts" zum Adern abklemmen, Pinzetten, Nadeln und Zwingen.

Um ihre berühmten Schädeltrepanationen - (Kraniotomie), die operative Öffnung des Schädels für operative Eingriffe im Schädelinnern - vornehmen zu können, kam eine Art Stichel aus Obsidian (ein Mineral - siehe rechts oben) zum Einsatz - siehe 2. Abbildung links.
In Peru wurden bis in die Gegenwart reichend mehr als zehntausend solcher von indianischen Ärzten trepanierte Menschenschädel gefunden. Untersuchungen an einen Schädel ergaben, dass der Patient diese äußerst schwere Operation überlebt hatte. Nach der Operation verschloß der Arzt das Loch mit einem Silberplättechen oder mit einer Kürbisschale.

Entweder wurde der Schädel mit den Obsidianstichel geöffnet, indem milimeterkleine Einstiche vorgenommen wurden, oder in die Schädeldecke vier Schnitte ausgeführt und im Anschluss ein viereckiges bis rechteckiges Loch in den Schädelknochen gebohrt wurde. Bis ins 20. Jahrhundert sind Schädeloperationen immer noch schwierig, dabei hatten manche Patienten der Inka-Ärzte mehrere Trepanationen über sich ergehen lassen müssen. Grund dafür könnte auf dem Schlachtfeld der Kampf Mann gegen Mann gewesen sein. Bei diesem Zweikampf wurde die Makana - eine Art Keule mit sternförmigen Steinknauf - eingesetzt, die schwere Kopfverletzungen auslöste und eine Operation erforderlich machte.

Im Tiefland und im Bereich der Küstenebene wurde den Bewohnern durch Ärzte Füße ja sogar Beine amputiert. Notwendig wurden diese Operationen wegen des Wurmparasiten Eremita analoga, der in Füsse und Beine eindringt und unerträgliche Schmerzen auslöst und deshalb eine solche Amputation notwendig wurde.

Die Ärzte der Inka konnten aber auch ausgekugelte Gelenke einrenken, behandelten Geschwüre und kannten ebenso den Aderlaß. Aber auch andere ärztliche Methoden waren ihnen vertraut, die in anderen Regionen Amerikas bekannt waren, wie das Aussaugen von Wunden.

Für manche derart ausgeführter Behandlungen war es erforderlich den Patienten die Schmerzen zu nehmen, dazu verwendeten sie Narkotikas oder setzten die Lokalanästhesie ein. Die wichtigsten Rauschgifte, die dafür zur Anwendung kamen, waren der Stechapfel - Datura stramonium - aus dem das Atropin herausgefiltert oder auch Koka aus dem das bekannte Alkaloid Kokain gewonnen wurde.

Zur Gattung der Färberwurzeln gehört der peruanische Balsambaum, vom dem 30 wichtige Alkaloide bekannt sind. Darunter befindet sich das Chinin zur Behandlung der Malaria oder das Chinydin, ein Heilmittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen.

Zahlreiche Krankheiten, die es in Peru gibt, kennen wir auch in Europa. So waren im Inka-Reich die Gicht, Durchfallerkrankungen und Augenleiden bekannt, aber auch Epilepsie, Nierenbeschwerden und die eben erwähnte Malaria sind genauso verbreitet.

Die Kunst der Inka-Äzrte Eine Krankheit in Peru gibt es glücklicher Weise nicht in Europa - die furchtbare, südamerikanische Leischmaniose, heute unter den Namen "Uta" bekannt. Vom Erscheinungsbild her ähnelt sie der Lepra. Am Kranken bilden sich an Nase und Lippen Geschwüre mit roten Rändern, die nach dem Abheilen häßliche Narben hinterlassen. Diese Krankheit ist im peruanischen Tiefland verbreitet, hingegen das Hochland unter der Verruga leidet. Auch bei ihr bilden sich auf der Haut Geschwüre. Diese bluten ständig, dass schließlich der Kranke am hohen Blutverlust sterben muß.

Die Inka hatten aber noch eine Krankheit, mit der sie die Europäer ansteckten. Diese in Peru entstandene Krankheit, kennen wir unter den Namen "Syphilis" - lateinisch "Lues venerea".

Nach den Vorstellungen der Inka wurde der krank, der sündigte, wie beispielsweise religöse Zeremonien, Gebete und Opfer nicht nach den Regeln vorgenommen hatte. Ebenso konnten Krankheiten durch schwarze Magie von Zauberern ausgelöst werden oder Dämonen und böse Geister haben ihre Hände im Spiel. Für die Ursache von Krankheiten, so zumindest glaubten die Inka und auch andere Stämme, wäre nur eine Sünde der Grund.

Krankheiten zu heilen oder zu bekämpfen war die Aufgabe der Priester. Ausgebildete Priester und Ärzte aus dem Kreise altperuanischer Gelehrter und Weisen - den Amautu - sorgten für den Inka und die Adligen. Das Volk wurde von Ärzten und Medizinmännern aus den unteren Klassen behandelt.

Eine weitere wichtige Tätigkeit im Inka-Staat "Tahuantinsuyu" war neben der Behandlung von Kranken durch Ärzte, Zauberer und Hexer die der Hebamme - auf Quechua: Huachachicoc. In allen gynäkologischen Belangen durften nur Frauen diesen speziellen Zweig der Medizin ausüben. Dazu benötigten sie keine besondere Ausbildung, sondern ihre Berufung zu dieser Tätigkeit erhielten sie infolge von Träumen und Visionen oder hatten selber Mehrlingsgeburten gehabt.

Im Inka-Reich war die Gesundheit des Herrschers und seiner Frauen vor allem seiner offiziellen Gemahlin - der Coya - die Angelegenheit des ganzen Volkes. Wenn der Herrscher tatsächlich einmal erkrankte, war niemand der Überzeugung der Sonnensohn hätte gesündigt, sondern vielmehr ein Bürger des Staates. Eine Erkrankung des Herrschers bedeutete für jeden Bürger des Staates Gefahr, deshalb betete jeder für die schnelle Genesung des Inka. Halfen alle Fürbitten nicht, so wurde für das Leben und die Gesundheit des Sonnenkönigs ein Mensch, meist Kinder, geopfert.

Das Situa-Fest war eine der wichtigsten Zeremonien und zugleich einer der höchsten Feiertage, die zur Zeit der Tagundnachtgleiche im September gefeiert wurde. Bei dieser Festlichkeit wurde anlßlich der Gesundheit aller Bürger im Inka-Reich gebetet, damit sie von Seuchen und Krankheiten verschont bleiben.


Die Religion der Inka


Die Macht der Inka ruhte auf der Armee, der Post, das Recht und nicht zuletzt auf die Religion. Die Religion wurde nicht von den Inkas geschaffen, sie war schon vor den Inka bekannt. Diese religiösen Vorstellungen paßten allerdings die Inkas an ihre Bedürfnisse an. Die Sonne als Herrscherin der Götter lenkte die ganze überirdiche Welt, die Könige der Inka als Söhne der heiligen Sonne lenkten das Geschick des Lebens auf der Erde. So war auch die Ordnung der Söhne der heiligen Sonne, also der Herrscher von Cusco, heilig - ebenso der göttliche Ursprung der Herrscher.

Mindestens drei Religionssyteme beeinflußten sich gegenseitig. Im Mittelpunkt des ersten Kults stand die Anbetung der Sonne. Diese Sonnenanbetung wurde staatlich gefördert, es gab aber noch andere ältere religiöse Vorstellungen bei denen noch keine mächtigen Götter und auch keine Himmelsgestirne verehrt wurden. Es wurden sogenannte Huaca - heilige Orte, Gegenstände, Hügel, Felsen, Bäche und Quellen, Bäume, Höhlen, Ahnenmumien und vor allem heilige Steine Ehre entgegengebraucht.

...

An der Spitze der hierarchisch gegliederten Geistlichkeit stand der Hohepriester, der ein Verwandter des Inka war. Für die Ausbildung der adligen Jugend und die Bewahrung des priesterlichen Wissens war die Priesterschaft (Hamautas) verantwortlich.


Im gesamten Inka-Reich huldigten die Quechua sprechenden Bewohner einer Reihe von Göttern. Einer der wichtigsten Gottheiten war Con Ticsi Viracocha - kurz auch nur Viracocha genannt. Er galt in Tahu-an-Tin-Suyu als der Schöpfer der Welt und aller anderer Götter.

Die Gläubigen wandten sich an Inti - die Goldene Sonne, der auch als göttlicher Ahnherr des Herrschergeschlechts galt. Wahrscheinlich wurde der Name der Dynastie von dem Namen dieses Gottes abgeleitet.

Nach Inti rangierte in seiner Bedeutung der Gott des Wetters, des Donners und des Blitzes - Illapa. Mit der Bitte nach Regen wandten sich die Bewohner Altperus an diese Gottheit, da sie glaubten, er könne aus dem Himmelsfluß - der Milchstraße - Wasser auf die Erde senden.

Mama Quilla - die Mondgöttin - war die Frau der Sonne.

Neben den Gottheiten wurden auch Sterne und Sternbilder verehrt. Besondere Ehre wurde der Erd-Gottheit, Mutter Erde - Mama Pacha, auch Pachamama - entgehen gebracht. Mama Pacha wurde besonders von den Gebirgsindianern, vor allem der Bauern verehrt, wie Mama Chocha, auch Chochamama - die Mutter des Meeres, der See - von den Küstenindianern angebetet wurde. Mutter Erde wurde nackt dargestellt mit üppigen Formen.

Die Eingliederung unterworfener Länder führte dazu, dass fremde Gottheiten und Kulte übernommen wurden.


Cusco, die Inka-Hauptstadt


Mauerreste in Cuzco Cusco bedeutet in der Quechua-Sprache "Nabel". Die Hauptstadt Cusco verglichen die Inka mit einem liegenden Puma. Die Festung Sacsayhuamán soll der Kopf des Puma darstellen, der das Tal beherrscht. Der Puma symbolisiert die Macht und die Stadt war für die Inka der Mittelpunkt der Welt. In ihr gab es Paläste, Regierungsgebäude, Tempel und den Sonnentempel, der den Haupttempel darstellt. Die Grundmauern der Gebäude bestanden aus großen, kunstvoll verfugten Steinen, die Erdbeben und der Zerstörungswut der Spanier standgehalten haben. Die exakt behauenen Steine sind so genau verfugt worden, dass es selbst heute unmöglich ist, eine Stecknadel zwischen sie zu stecken. Man fragt sich auch noch heute wie die Inka 350 t schwere Blöcke heben konnten.

Jedoch gründeten nicht die Inkas Cuzco. Einst war es ein kleines Dorf aus armseligen Hütten mit ungebrannten an der Sonne getrockneten Lehmziegeln. Es sah wie jedes andere Bergdorf in den Anden aus. Wer die Menschen waren, die für diesen Ort einmal den Grundstein legten, ist allerdings nicht bekannt.

Mit der Ankunft der Inka begann die Umgestaltung nach einem wohl durchdachten Plan und Cuzco wuchs und wuchs. Vielleicht lebten als die Inka einzogen zweihundert Menschen im Dorf, zur Zeit als die Spanier die Stadt erreichten, war die Bevölkerung auf ca. 200.000 Personen angewachsen, die in 20- bis 25 Tausend Häusern wohnten.

Man nimmt an, dass bereits der erste Inka-Herrscher die vier Stadtteile von Cuzco gründete. Sie heißen Quintacanancha, Chumbicanancha, Sairicanancha und Yarambucanancha. Mit der Benennung von vier Stadtteilen erlebte die Stadt aber nicht ihre Entwicklung, sondern vielmehr mit dem großen Umbau des neunten Inka-Herrschers Pachacuti Yupanqui und dessen Sohn, dem zehnten Inka, Tupac Yupanqui. Erst damit wurde Cuzco die Hauptstadt der Inka, die ihre Stadt von der Gestalt her mit einem Puma verglichen. Der Leib des Puma wurde aus dem Grundriß Cuzcos, der zwischen den beiden Flüssen Huatanay und Tullumayo liegt, gebildet - genannt Tumachunam = Pumaschwanz. Den Kopf des Pumas sahen die Inka in der Festung "Sacsayhuaman", - "Huaman" im Quechua = Falken (gesprenkelter Kopf - wie ein Puma), die hoch über der Stadt throhnt.

Die Festung ihrerseits bildete das Schutzschild von Cuzco, die als das größte von den Inka errichtete Bauwerk überhaupt angesehen wird. In ihrem Grundriß besteht Sacsayhuaman aus drei hintereinander errichteten Steinwällen, die sich zickzack-förmig über den Berg hinziehen. Jeder der Wälle besteht aus riesigen bis zu dreihundertfünfzig Tonnen schweren Steinblöcken. Wie die Inka diese Leistung vollbracht haben, ist nicht bekannt. Sie kannten kein Rad und besaßen auch kein anderes Transportmittel. Mit bloßen Händen, mit Organisation und riesiger Ausdauer mußten sie dieses gewaltige Werk vollbracht haben.

Der neunte Inka-Herrschers Pachacuti Yupanqui entwickelte den Plan für das Bauwerk, sein Sohn, Tupac Yupanqui, nahm den Bau in Angriff und unter Huayna Capac, der elfte Inka, wurde Sacsayhuaman vollendet. Die mächtigste Mauer ist die erste, die aus neun Meter hohen, fünf Meter breiten und vier Meter tiefen Steinquadern besteht. Jeder der Wälle mißt etwa 360 Meter und besitzt 21 teils vorspringende bzw. zurückgesetzte Bastionen. In die Mauern sind trapezförmige Tore eingelassen, die man bei Gefahr mit Steinblöcken schließen konnte. Zudem bestand die Festung noch aus drei großen Türmen, in denen die Einheiten zur Bewachung und Verteidigung Cuzcos untergebracht waren. Bei archäologischen Grabungen in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden unterirdische Gänge, die die Türme mit dem Hauptquartier, dem Mujacmarca, verbanden, freigelegt.

Die Festung Sacsayhuaman Die Mujacmarca wiederum befand in der Festung "Sacsayhuaman". Von dort führte ein unterirdisches kompliziertes Ganglabyrinth, in dem eingedrungene Feinde sich verirren sollten, in das tiefer gelegene Cuzco, wo die Paläste des Inka und das Nationalheiligtum des Staates standen. Bei einem Angriff auf Cuzco sollte nicht nur der Herrscher und seine Familie, sondern auch das Gold aus dem Sonnentempel in die Mujacmarca gebracht werden.

Nördlich der Festung Sacsayhuaman grenzt in unmittelbarer Nähe ein als "Thron des Inka" benannter Komplex an, der vollkommen glatt geschliffen wurde und in den steinerne an Königsthrone erinnernde Sitze eingehauen sind. Diese dienten dem Inka-Herrscher als Aussichtspunkt, um den Vorschritt der Arbeiten an der Festung zu besichtigen und an Feiertagen selbst den Mumien der verstorbenen Herrscher an den Festen, die zu ihren Ehren abgehalten worden, sich zu erfreuen.

Am "Thron des Inka" liegt der Ruinenkomplex des "Inka-Bades", indianisch: "Tampu Muchay". Er besteht aus terrassenförmig ansteigenden Mauern und Wänden, in die, die typischen trapezförmigen Öffnungen eingearbeitet sind.

Nahe des letztgenannten Komplexes wiederum befindet sich das sogenannte Kenko - auch Quenquo genannt - übersetzt man die Begriffe aus dem Quechua ins Deutsche, so bedeuten sie die "Verwundete". Hierbei handelt es sich um ein fünf Meter hohes in den Felsen gehauenes Puma-Relief, das gleichzeitig als Symbolfigur für Cuzco und Sacsayhuaman mit Umgebung anzusehen ist. Die Inka nannten ganz Sacsayhuaman einschließlich aller weiteren heiligen Stätten "Kopf des Puma".

Der Kopf des Pumas ist die Festung und der Körper und Schwanz des Pumas wird von Cusco eingenommen. Das Cusco der Inka ist heute immer noch eine Stadt mit gleichem Namen. Die Metropole der Inka sollte zwar genau wie Tenochtitlan, die Hauptstadt der Azteken in Mexiko, völlig zerstört werden, stattdessen wurden Fundamente oder Mauern der Inka-Paläste und -Heiligtümer in die Paläste und vor allem aber in die Kirchen der spanischen Eroberer integriert. Auf den Überresten der Heiligtümer und des Nationaltempels der Inka errichtete man die katholische Kirche mit dazugehörigen Kloster Santo Domingo, weitere Reste baute man in die Häuser der umliegenden Straßen ein. Glückerlicher Weise sind aber Stadtansichten des Cuscos der Inka-Zeit durch erste Chronisten in Schilderungen erhalten geblieben.

Der 12-Ecken-Stein - Ein Kunstwerk eines Inka-Künstlers Wenn man bedenkt das Cusco auf einer Höhe von 3.400 Metern über dem Meer liegt, so umspannen die in drei Himmelsrichtungen ausgerichteten Bauwerke wie Festung Sacsayhuaman, Thron des Inka, Inka-Bad und Kenko die Hänge der Cusco umgebenden Bergriesen in einem noch höheren Niveau. Nur nach Südosten öffnet sich das Tal von Cusco, welches zum Großteil von fruchtbaren Feldern bedeckt ist, andere Teile sind stellenweise sumpfig. Die Ufer der beiden Cusco umfliesenden Flüsse befestigten die Inka mit bearbeiteten Steinblöcken.

Die Inka-Hauptstadt war in zwei Teile gegliedert: In Huna Cusco - dem Oberen Cusco und in Hurin Cusco - dem Unteren Cusco.
Huna Cusco - das Obere Cusco - gehörte dem Volk. Hier lebten die Bewohner in schlichten jedoch bemalenen, ebenerdigen oder einstöckigen Häusern aus sonnengetrockneten Ziegeln. In ihrer sozialen Stellung gehörten sie der niederen Volksschicht der Inka-Gesellschaft an. Zu ihnen gehörten auch die meisten in Cusco arbeitenden Handwerker.
Der untere Stadtteil von Cusco war die Stadt der herrschenden Oberschicht, die Elite der Inka-Gesellschaft. Hier ließ sich einst der Gründer des Inka-Reiches Inka Manco Capac nieder, wo der Grundstein zu den Palästen der Herrscher und allen Heiligtümern gelegt wurde.

Zentrum der unteren Stadt Cuscos war der "Platz der Freunde" = "Huacapata" in Quechua. Um ihn und umliegenden Straßen waren die wichtigsten Gebäude des Inka-Reiches errichtet.
Zu ihnen zählt zu aller erst der Komplex der Heiligtümer und Tempel, wobei hier wiederum zu erst das Nationalheiligtum der Inka der Sonnentempel "Coricancha" zu nennen ist. Nach ihm wurde das gesamte Tempelviertel auch benannt, der dem "Vater der Inka" der goldenen Sonne geweiht war.

Die gesamte Fläche der Wände des Sonnentempels hatte man mit Goldplatten bedeckt, Gold war für die Inka das Symbol der Sonne - Silber das des Mondes. Der Hauptaltar im Innern des Tempels bestand aus einer riesigen in alle Richtungen strahlenden Sonnenscheibe aus purem Gold. Um dieses Leuchten noch zu verstärken, konnte man bei Sonnenschein große Tore auf der Ost- und Westseite des Tempels öffnen und das Innere durchfluten lassen.
Im Sonnentempel wurden auch die Mumien der verstorbenen Herrscher verehrt, die auf beiden Längsseiten des Tempels aneinandergereiht waren. Sie saßen auf Königsthronen aus purem Gold, die wiederum auf aus Gold gewebten Teppichen standen.

Der Tempel des Hohepriesters der Inka - dem Huillac Umu - erhob sich gleich neben dem Sonnentempel, dem fünf weitere Gebäude mit weiß gedeckten und mit Golddraht durchwirkten Strohdächern folgten, in denen die Gehilfen des Hohepriesters wohnten.

Im Tempelbezirk verehrte man aber nicht nur die Sonne, dem Mond war auch ein Tempel geweiht. Luna, die Mondgöttin, war in einer Person die Schwester und Gemahlin des Hauptgottes der Inka. Dem Altar des Mondtempels schmückte eine Mondscheibe aus purem Silber, dem Erz des Mondes. An den Längsseiten des Tempels waren auf silbernen Thronen die verstorbenen Gemahlinnen der toten Inka aufgereiht.

Lageplan von Cusco zur Zeit der Inka Das dritte Heiligtum im Coricancha war ein zweiteiliger Tempel, der der Venus geweiht war. Dieses einstige Heiligtum ist heute noch in Cusco zu bewundern.

Gegenüberliegend dieses Gebäudekomplexes erheben sich drei weitere etwa gleich große Tempel, von den einer dem Donner, ein anderer dem Blitz und ein weiterer dem Regenbogen geweiht war. Auch einen Opferplatz gab es. Die Kanäle durch die das Blut der geopferten Tiere floss, sind auch erhalten geblieben.

Im Coricancha soll auch eine aus Stein gehauene Schale, eine sogenannte Patio, gestanden haben, in ihr wurde das Maisbier der Inka gebraut. Zudem diente sie bei der Heiratszeremonie des Herrschers und seiner Gemahlin - seiner Schwester, der Coya, der legitimen Gattin - nach der offiziellen Trauung als Badewanne, in der eine rituelle Reinigung zelebriert wurde.

Sämtliche Gebäude der Coricancha und alle weiteren Paläste und Tempel waren von außen mit Goldplatten verkleidet. - Für die Inka war Gold, der Schweiß der göttlichen Sonne.

In unmittelbarer Nähe des Coricancha war ein weiteres einmaliges Kunstwerk durch die Inka geschaffen worden - ein unglaublicher Prunk war hier zu sehen - im goldenen Garten von Cusco.

Hinter Sonnentempel und goldenem Garten stand das Kloster der Sonnenjungfrauen. Hier dienten Mädchen, die aus allen Landesteilen des Inka-Imperiums gekommen waren, der göttlichen Sonne und ihrem Sohn, dem großen Inka. Nur die hier wohnten, der große Inka und weibliche Angeörige seines Ayllu durften das Kloster betreten. Wer es trotzdem tat, wurde mit dem Tode bestraft. Gleiches Schicksal ereilte auch jeder Jungfrau aus dem Kloster, wenn sie das Kloster mit einem Mann befleckte - zudem wurde ihre Heimatgemeinde ausgelöscht.

Am Platz der Freunde - dem Huacapata - gab es auf einer weiteren Seite ein großes Gebäude - dem Yachahuasi - eine Lehranstalt für die Jünglinge des Hochadels. Lehrinhalt war das Wissen der Inka in Theorie und Praxis sowie das Studie der Staatskunst.

Im unteren Cusco, dem Herrscherviertel, gab es neben Palästen, Tempeln und Schulen auch die Residenzen der großen Inkas. Jeder Inka beanspruchte eine neue prunkvolle Residenz, die nach seinem Tod in eine Gedenkstätte umgewandelt wurde und somit der Tote seine Ehrung erhielt.
Inka Tupac Yupanqui (10. Inka) war die Pocamarca geweiht und die Amarucancha seinem Sohn dem Inka Huayna Capac (11. Inka). Das Palais des Inka Roca (6. Inka) steht auf dem Zentralplatz, die des Inka Pachacuti (9. Inka) unweit davon ... Die Kolkampata, ein kleiner Palast, des Gründers der Inka, der erste Inka Manco Capac soll sich nahe der Festung Sacsayhuaman befinden.

Cuzco wurde als das Zentrum des Reiches angesehen, von wo aus die Heere des Imperiums zu ihren Eroberungsfeldzügen aufbrachen. Hierher kehrten sie auch wieder zurück, um für den erfochtenen Sieg den Dank entgegen zu nehmen.


Machu Picchu im Urubambatal


Ruinen der alten Inkafestung Machu Picchu oberhalb des Urubambatales 1911 fand der amerikanische Archäologe Hiram Bingham die Festung Machu Picchu. Einige Wissenschaftler glaubten sogar, dass das sagenumwobene El Dorado gefunden wurden war. Machu Picchu liegt in 2.000 Metern über dem Meeresspiegel und 500 Meter über dem Urubamba-Fluß. Hier waren tonnenschwere Granitblöcke zu einer Terrassenstadt zusammengefügt worden, die heute eine der großartigsten archäologische Stätten ist. Die Stadt wurde im 16. Jahrhundert von den Spaniern gesucht, weil sie hier einen gigantischen Goldvorrat vermuteten, aber die Stadt wurde nicht gefunden, trotz das in ihr mehrere 1.000 Inkas gelebt hatten.

In Machu Picchu fand Bingham intakte Häuser und Tempel, Treppen, Gänge und riesige Mauern. Die Steine der Häuser und Mauern waren so aufeinander gefügt, dass noch nicht einmal eine Messerklinge hineinpasst. Goldschätze fand er nicht. Warum die Stadt von ihren Bewohnern verlassen wurde, ist bis heute nicht bekannt. Professor Bingham fand keine Anzeichen eines Kampfes, von Zerstörung wie auch keinen Hinweis, der auf ein hastiges Verlassen Aufschluß gibt. Auch heute sind noch Abenteurer in Machu Picchu auf der Suche nach einem sagenumwobenen Goldschatz.

Die rätselhafte Ruinenstadt Machu Picchu ist auch heute ein touristischer Anziehungspunkt. Vom Inka-Trail, der nach Machu Picchu führt, sind auch einige Berichte im Fernsehen zu sehen gewesen.

Einst war die Stadt von Bäumen überwuchert, Moos verdeckte das Gestein, dann begann die peruanische Regierung in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Stadt und den Inka-Trail freizulegen. Im Anschluß wurde Machu Picchu und der Inka-Trail in einem Nationalpark eingebunden.

Machu Picchu konnte mit Hilfe der Radiokarbon-Methode auf das Jahr 1450 datiert werden, die Zeit in der Pachacuti als Herrscher das Inka-Reich regierte. Jedoch konnte bis in die heutige Zeit trotz jahrzehntelangen Forschungen nicht festgestellt werden, welchen Zweck die Stadt inne hatte. Felix Pallardel, Direktor des Kulturerbes am Nationalen Institut von Peru, glaubt, dass Machu Picchu 1450 erbaut wurde, 1.000 Bewohner beherbergte und dem König Pachacuti gehörte. Machu Picchu soll auch ein Verwaltungszentrum für Ackerbau wie auch die erste Ausbreitung in Richtung Amazonas-Urwald gewesen sein. In Machu Picchu wurden Brunnen, Plätze, Geschäfte, Tempel und ein Gefängnis gefunden. Wie die Inka Machu Picchu verließen, so haben sie auch die benachbarten Berge Huayana Picchu und El Mandor verlassen.

Die Spanier haben niemals von der Existenz der Stadt erfahren, in der es Orte für astronomische Beobachtungen, der Tempel des herrschenden Inka und heilige Plätze für Riten und Opferzeremonien gab.

Vor Machu Picchu haben selbst die Wissenschaftler Ehrfurcht und zeigen volle Bewunderung. Vor jeder Ausgrabung wird die Mutter Erde - Pachamama - mit einem geschlachteten Lama, Alkohol und Zigaretten gnädig gestimmt.

Selbst für die heutigen Nachfahren der Inka ist Machu Picchu noch Religions-, Kult- und Besinnungsstätte, wo sie ihre Götter und Geister anrufen. Bauern und Dorfgemeinschaften ziehen mit ihren Priestern einmal jährlich zu einem Mondscheinritual nach Machu Picchu.

Laut des japanischen Katastrophenforschers Kyoji Sassa ist der Zustand Machu Picchus Besorgnis erregend. Jährlich sinkt die Kultstätte um 12 Zentimeter und jeden Augenblick kann die Ruinenstadt durch einen Erdrutsch teilweise oder ganz vernichtet werden.

Deshalb wenn Sie in der Nähe von Machu Picchu sind, besuchen Sie die "verlorene Stadt der Inka".
 
Amerika-Info-Box



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