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Die Völker in Kleinasien und Iranisches Hochland |
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Zur iranischen Gruppe der indoeuropäischen Sprachfamilie - mehr als 40 Millionen
Menschen - gehören die meisten Völker Kleinasiens und des iranischen Hochlandes und über 30
Millionen Personen sind Angehörige von Turksprachen. Weniger als 1,5 Millionen semitischsprachige
Araber, Kausasier, Armenier und Griechen sind in diesen Landschaften
vertreten. Zur iranischen Sprachgruppe muß man vor allem die Perser und die Afghanen,
denen die Gilanen und Masenderanen nahestehen, nennen. Ebenso die Tadshiken,
Kurden, Taten, Bachtiaren. Luren und Hasareh - welche Nachkommen
mongolischer Einwanderer und Eroberer sind, gehören dieser Sprachgruppe an.
Die Türken Kleinasiens, die Kadscharen, die Schahsewenen, die Kaschgai,
die Turkmenen und die Aserbaidshaner, die im Nordwesten des Irans leben,
sprechen Turksprachen. Alle diese Völker sind, wenn sich das anthropologisch ansieht, der
südliche Zweig europiden Rasse.
Schon seit dem 3. Jahrtausend v u. Z. betrieben die Bewohner der sich vom Bosporus bis
zum Industal erstreckenden Hochland Westasiens bis in die Neuzeit hineingehend Viehzucht,
Getreideanbau teilweise mit Bewässerung und die Nutzung und Kultivierung von Fruchtbäumen
wie Apfel, Aprikose, Eichel, Feige, Kastanie, Olive, Pflaume - um nur einige zu nennen. Die
niederschlagsarmen Inlandgebiete mit ihren heißen Sommern waren keine guten Anbauflächen.
Guten Boden gab es nur in den schmalen Tälern, der durch Abholzung während der letzten
Jahrhunderte und durch Ziegenhaltung sich ständig verschlechterte oder ganz zerstört
wurde.
Armenisch- und kaukasischsprachige Gruppen sind wichtige Vertreter der Grundbevölkerung in
Kleinasien und im Iranischen Hochland. Völkergruppen, deren Sprachzugehörigkeit bis
heute ungeklärt ist, sind vor allem im Westen des Iranischen Hochlandes erschienen, wie
die Elamiter, Gutäer und Kassiten und im Osten drawidische Völker,
wo man die Brahui als deren Nachkommen vermutet.
Ab dem 2. Jahrtausend v. u. Z. drangen indoeuropäische Völkergruppen - vor
allem iranischsprachige: in die Reiche Chaldäer und Hethiter, ins Reich Mitanni die Kimmerer
und die Skythen, die Meder und die Perser und die Phryger - in das
Gebiet vor. Wie bei den Gruppen mit kausasischen Sprachen wird die Anwesenheit des armeniden Typus
vorwiegend dabei gewesen sein.
Seit dem 2. Jahrtausend v. u. Z. sind im Hochland Westasiens umfassende Staatsgebilde
entstanden. Hier sind einige aufgezählt:
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| 19. - 12. Jh. v. u. Z. |
Hethiterreich |
| 9. - 6. Jh. v. u. Z. |
Reich Urartu |
| 6. - 4. Jh. v. u. Z. |
Persische Achämenidenreich |
| 2. Jh. v. u. Z. - 3. Jh. u. Z. |
Partherreich |
| 3. - 7. Jh. u. Z. |
Persische Reich der Sassaniden | |
Bis in benachbarte Gebiete dehnten sie ihre Herrschaft aus, was aber keinen
stärkeren Einfluß auf die ethnische Zusammensetzung und Kultur hatte. Aber seit der Zeit
von Alexander war die griechische Sprache und Kultur in Kleinasien vorgedrungen und seit dem 7.
Jahrhundert verbreitete sich der Islam.
Mit dem Einfall der Seldschuken im 11. Jahrhundert und erst der gleichfalls mit den Turkmenen
verwandten Osmanische Türken seit dem 13. Jahrhundert kam es zur grundlegenden Änderung
der Bevölkerungszusammensetzung: Die einheimische Kultur und Sprache in Kleinasien verschwand
weitgehendst.
Die Perser bauen seit dem Altertum in den Gebirgstäern und Randlagen der Berge mit
künstlicher Bewässerung Gerste, Hirse, Hülsenfrüchte, Roggen und Weizen an,
kultivieren ebenso Gemüse und Obstbäume. In den Niederungen des Kaspisees gehen sie dem
Reisanbau nach und am Persischen Golf und am Indischen Ozean sind Dattelpalmen verbreitet. Ihre
Felder werden noch mit Hakenpflug und Steinwalzen bestellt, die Ernte erfolgt mit der Sichel und
das Dreschen mit dem Dreschschlitten.
Aus einer Küche und links und rechts angebautem Frauen- und Männergemach besteht das Haus
der Perser. Typisch sind Verandas mit flachen Dach. Auf dem Dach einschließlich dem
Verandavordach werden die Getreidevorräte gelagert. Islamischen Charakter besitzen die Städte,
in welchen Moscheen, Basare, Bäder, geistliche Schulen und Karawansereien kennzeichnend sind.
Die Häuser der Städte besitzen einen Innenhof mit Garten und haben buntgeschmückte
Glasfenster und Fresken.
Die traditionelle Männerbekleidung besteht aus einer hohen Lammfellschmütze, einem kurzem
Hemd über dem eine Weste getragen wird, einem dunklen Überrock, einer weiten Hose und
pantoffelähnlichen Schuhen. Aus einem Hemd, Leibchen, Jacke, enger Hose, einem verhüllenden
Überwurf aus blauen Stoff für den Ausgang und einem weißen Gesichtsschleier sind die
typische Frauenbekleidung.
Schiiten sind die Perser - in Jasa und Kirmen leben Anhänger der Feueranbeter - die sogenannten
Zarathustras.
Mit den Luren und Bachtiaren sind die Kurden verwandt, deren einzelne
Kurdenstämme in Armenien, Aserbaidshanien, Irak, Iran und in der Türkei beheimatet sind.
Sie sprechen unterschiedliche Dialekte. Nur noch wenige Kurden sind Nomaden, die das ganze Jahr mit
ihren Schafherden umherziehen, in Ziegenhaarzelten wohnen und sich vorwiegend von Milch und Fleisch
ernähren. Für die Filzherstellung verwenden sie Schafwolle, die zur Weberei und
Teppichknüpferei benötigt wird. In Dörfern wohnen die meisten Kurden im Winter,
hingegen sie im Sommer in den Berggebieten ihre Viehherden weiden. Im südlichen Kurdengebiet
lebt man vom Anbau von Früchten und bewohnt flachdachige Steinhäuser.
Zylindrische Filzmützen mit Turbantuch, reichverzierte Jacken aus rotem Stoff und rote
Lederstiefel ist die Kleidung der Kurdenhirten. Säbel, Rundschilde, Messer, Pistolen, Gewehre
und lange Rohrlanzen war ihre Bewaffnung, die sie oft gegen die Armenier und Perser bei
räuberischen Überfällen einsetzten, weshalb man sie fürchtete. Stämme und
die einteilung nach Geschlechtern war lange verbreitet. Aghas standen an der Spitze der Niederlassungen,
die aus reichen Familien stammten. die Familie war vaterechtlich aufgebaut, die Frauen besaßen
trotz alledem eine entsprechende Freiheit.
Kleine Feudalherren betreuten den Handel und das Handwerk in den Städten des Kurdengebietes, die
vor allem an den Handelsstraßen entstanden waren. Sunniten ist die Mehrzahl der Kurden, es gibt
aber auch einige schiitische Gruppen. Im Gebiet des Dschebel Sindshar bei Massul und Aleppa leben die
den Kurden nahestehenden Jesiden, deren Glaubensvorstellungen die Teufelsanbetung ist und sich
damit von der übrigen Bevölkerung unterscheiden. Man ist der Auffassung, dass ihre
religiösen Anschauungen aus christlichen, islamischen und vielleicht auch aus zarathustrischen
Vorstellungen entstanden ist. Sie haben eine eigene Priesterschaft und ein eigenes Heiligtum im Norden
von Massul - das Grab des Scheich Adi.
Afghanen - Pathanen und Paschtun - ist die vorwiegende Bevölkerung von Afghanistan. Daneben
leben im Land noch Hasareh, Kafiren, Perser, Turkmenen und Usbeken.
Circa die Hälfte aller Afghanen leben in Pakistan. Nomaden, die Viehzucht betreiben, sind etwa
ein Drittel der Afghanen. Zwei Drittel betreiben Ackerbau mit künstlicher Bewässerung.
Wichtigste Angebauprodukte sind Gemüse, Gerste, Hafer, Hirse, Mais, Reis, Roggen, Weizen, Zuckerrohr
und Obst. Zunehmend entwickelt sich der Anbau von Baumwolle.
Erblich ist die Würde des Anführers der Stämme. Die Angehörigen der Stämme
folgen dem Vaterrecht und treten aus diesem Grund zu einem anderen Stamm über. In früherer
Zeit war das Leben der Afghanen von der Blutrache, Stammesfehden und Raubzügen geprägt.
Die Belutschen sind die Bewohner des Südirans, Westpakistans und Afghanistans, die einst
aus südiranischen Gebirgsgebieten kamen. Viehzucht ist ihre vorwiegende Beschäftigung, deren
Rinder-, Schaf-, Ziegen- und Kamelherden im Sommer in den Bergen und im Winter in den Ebenen weiden.
Die Gliederung nach Stämmen und Sippen hat sich bis heute erhalten. Sunniten ist der vorwiegenden
Teil der Belutschen, aber auch der Islam ist verbreitet.
In der Türkei leben außer Türken, noch im Norden Kurden, Lasen und
Tscherkessen, hingegen der Bevölkerungsanteil an Griechen und Armenier seit
dem 20. Jahrhundert rückläufig ist. Die Hauptwirtschaftsquelle der Türken wird im
Acker- und Gartenbau mit künstlicher Bewässerung angebaut. Wichtigste Anbauprodukte sind
Reis und Weizen.
Aus Holz oder aus Lehm bestrichenes Holzgeflecht bestehen die Häuser auf dem Lande, die
zumindest aus zwei Räumen bestehen - aus der Frauen- und aus der Männerhälfte und
meist noch über eine offene Veranda verfügen. Bei zweistöckigen Häusern findet
sich im Erdgeschoß die Vorratsräume und Stallungen. Getreidespeicher sind aus Holz oder
Flechtwerk errichtet, wo es feucht ist, stehen sie auf Pfählen. Lehm- oder Steinkamine gehören
zur Innenausstattung sowie Kisten, Teppiche, Wandbänke- und -schräke als auch Filzdecken.
Nur auf dem Land - aber da auch nicht mehr oft - tragen die Bewohner als traditionelle Kleidung Hemd,
Weste, Jacke, weite Hose und langem Unterrock. Der sogenannte Fez ist die charakteristische Kopfbedeckung
ist nicht mehr üblich. Selten trägt man heute noch Waffen.
Sunniten sind die meisten Türken, aber auch Schiiten - sogenannte Rotmützen = Kysylbasch, die
im 16. Jahrhundert aus Aserbaidshan kommend, sich hier ansiedelten. Auch in der Türkei gibt es
Nomaden - die Jürüken, und Tachtadschi.
Seit im 11. Jahrhundert aus Mittelasien die Seldschuken einbrachen, leben türkische
Bevölkerungsgruppen in Iran, so beispielsweise die Schahsewenen in Nordwestiran, die
Afscharen in Nordwest- und Südwestiran, die Kadscharen in Westiran und die
Kaschgai in Südiran.
In Hinsicht der verkehrsmäßigen Erschließung und Fortschritte im wirtschaftlichen,
gesellschaftlichen und kulturellen Leben hat sich die Türkei am weitesten entwickelt. Afghanistan
und Iran sind reine Agrarländer, wo in ländlichen Gebieten sich fortschrittliche Änderungen
nur mühsam vorankommen. |
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