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Wirtschaftlicher Lebensbereich |
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Ganz entscheidend für die anderen Seiten der Kultur ist die wirtschaftliche
Tätigkeit, die die materiellen Voraussetzungen schafft. Historische Ereignisse sind wie
die Formen des wirtschaftlichen Lebens maßgeblich an den Formen des gesellschaftlichen
und religiösen Lebens geteiligt.
Für das wirtschaftliche Leben ist die Produktion Grundlage. Auch alle anderen Bereiche der
Wirtschaft sind von der Produkltion abhängig, wie die Verteilung und der Austausch der
Produkte und letztendlich der Verbrauch.
Die Nahrungs- und Rohstoffquellen, das Klima sowie die Wegsamkeit sind die natürlichen
Voraussetzungen für die Produktion. Die natürlichen Ressourcen werden durch die Jagd,
das Sammeln und den Fischfang nur wenig verändert. Was eine Gemeinschaft wirtschaftlich
leistet, wird von genauen Kenntnissen der Umwelt und der richtigen Beurteilung bestimmt. Die
historischen Formen der Wirtschaft von Sammler- und Jägergruppen werden durch
archäologische Funde und aus den Vergleich einstiger und heutiger Umwelt rekonstruiert.
Zu wesentlichen Produktionsfaktoren wurden durch jahrhundertelange Erfahrung der Bodenbau und
die Viehzucht. Vom Menschen geförderte Eigenschaften dieser Produktionsfaktoren haben die
Entwicklungsrichtung der Wirtschaft in zahlreichen Regionen unserer Erde maßgeblich
beeinflußt. Die natürliche Umwelt veränderte sich mit dem Anbau von Nutzpflanzen
und der haltung von Vieh. Auf welche Weise die Entwicklung der Wirtschaft voranschritt, ist
beim Vergleich zwischen Wild- und Kulturformen der Kulturpflanzen und Haustiere, zwischen
Natur- und Kulturlandschaften zu erkennen.
Die Untersuchung der Produktionsmethoden umfaßt die Herstellung der Arbeitsgeräte
und deren Nutzung im Produktionsprozeß. Dabei zeigt sich auch die menschliche Erfahrung bei
der Gestaltung und Anwendung der Arbeitsgeräte. Für die Produktionsmethoden sind auch
alle Kenntnisse der Natur und die Arbeitsorganisation mit allen Formen der Arbeitsteilung von
der Planung bis zur Abstimmung der Arbeitsvorhaben und ihrer Leitung von größter
Wichtigkeit. Zur Einschätzung des Umfangs der geleisteten Arbeit und der erforderlichen
Wirksamkeit der Arbeit sind sämtliche Äußerungen der menschlichen
Arbeiserfahrung zu beachten.
Die natürlichen Ressourcen, wie auch der Besitz bestimmter Nahrungs- und Rohstoffpflanzen
sowie das Halten von Haustieren und die Wirksamkeit der Produktionsmethoden sind entscheidend
für den Umfang der Produktion einer Gemeinschaft. Der Umfang der Produktion läßt
sich in Stückzahlen oder Mengeneinheiten verhältnismäß leicht messen, ebenso
in Bezug auf Bodenfläche oder in Kopfzahl einer Bevölkerung, aber nicht so einfach ist
es von der Gesamtmenge der produzierten Güter die wirtschaftliche Lage einer Gemeinschaft
zu beurteilen. Wenn die Produktion erhöht wird, muß nicht die Menge der erzeugten
Güter zu nehmen, sondern es kann auch der Sektor der Erholung oder Wiederherstellung der
Arbeitskraft gefördert werden. Die Bedingungen der Arbeit und des Lebens können sich
auch verbessern, wenn man zeitraubende und sehr festlegende Methoden der Nahrungsgewinnung
aufgibt und die Arbeitsbelastung aller Mitglieder einer Gemeinschaft als Folge besserer
Produktionsmethoden abnimmt und so einzelne Personen aus der Produktion ausscheiden, um anderen
Tätigkeiten - wie zum Beispiel als Priester - nachgehen. Dies war aber erst in
fortgeschrittener Gesellschaft zu beobachten. Wenn eine Arbeitskraft in der Produktion nicht
mehr voll beansprucht wird, können andere Produktionszweige ausgeweitet werden oder neue
entstehen, wo er tätig werden kann. Die historische Situation einer Bevölkerung
entscheidet darüber oder auch der Kontakt zu anderen Gemeinschaften, ebenso der Absatz
von Produkten in Austausch oder Handel. Produkte, die nach der Herstellung oder Gewinnung
selbst nicht verbraucht werden, schaffen Voraussetzungen für wirtschaftliche Vorrechte
einzelner Mitglieder gegenüber der Gemeinschaft.
Produkte werden vom Produzenten nicht genutzt oder ein gemeinsam geschaffenes Produkt wird
unter einzelnen Produzenten und Konsumenten verteilt - dies ist die Distribution. Die Verteilung
von nahrungsmitteln hat eine ganz wichtige Rolle in der Jagd-, Sammel- und Fischfanggemeinschaft.
Im Kreise der Verwandten verteilt ein Jäger nach festen Regeln seine Beute und er
erhält dafür ebenso Produkte bei Verteilungen der Verwandten. Eine einzelne Familie
erhält so mehr Sicherheit, wenn einmal das Jagdglück versagen sollte. Wurden
große Jagd- oder Fischfangunternehmungen unternommen, so erhielten alle Beteiligten
ihren Anteil an der Beute. Verwandtschaftliche Beziehungen spielten dabei keine Rolle, aber
je nach Ausbeute die Bedürfnisse des Beteiligten.
In frühen Phasen der ökonomischen Entwicklung oder bei geringer produktiver
Wirtschaft ist der Austausch und Handel von Produkten örtlich nur begrenzt. Meist
erfolgt dann der Austausch der Produkte zwischen zwei Personen oder zwei Gruppen. Nahrungsmittel
und handwerkliche Erzeugnisse werden mit zunehmenden Entwicklung der gesellschaftlichen
Arbeitsteilung für einen größeren Käuferkreis - für den Markt -
produziert. Angebot und Nachfrage auf örtlichen Märkten gegen Auskunft auf die
wirtschafdtliche Lage einer Gemeinschaft.
Der Verbrauch - die Konsumtion - hat am wenigsten mit gesellschaftlichen Regelungen zutun, wenn
sie über die Familie hinausgehen. Sonderfälle sind, wenn eine Familie oder die gesamte
Gemeinschaft in eine Notlage gerät - z. B. durch einen Ernteausfall, dann werden
Vorräte an sie verteilt. Ein solcher Fall gibt Auskunft über die Ausgeglichenheit
der Wirtschaft und ob in einer Gemeinschaft die wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder
gleich oder gegensätzlich sind. |
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