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Die Völker der Erde - Das Kulturareal Melanesien |
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Bei den Melanesiern wird die Hauptnahrung durch Bodenbau - genauer mit dem
Grabstockbau - erwirtschaftet. In Regenwaldgebieten gilt als Hauptnahrungspflanze der Sumpftaro
(Colocasia esculenta), eine begrenzt haltbare Kulturpflanze, die aber das ganze Jahr hindurch
angebaut und geerntet werden kann. Durch Brandrodung wird während der trockenen Jahreszeit das
Ackerland gewonnen, auf dem allerdings nur ein bis zwei Jahre lang Pflanzen kultiviert werden
können. Dann benötigt der Boden eine mehrjährige Regenerierungszeit bevor er wieder
zum Anbau von Feldfrüchten Verwendung findet. Das Roden ist Männerarbeit, hingegen die
Frauen die Felder bepflanzen, Unkraut beseitigen und die Ernte einbringen. In trockenen Gebieten
ist erst durch künstlich angelegte Bewässerungssysteme der Anbau von Taro erst möglich
wie beispielsweise auf den Fidschi-Inseln, in Neukaledonien und in Teilen von Neuguinea. Die
stärkehaltige Knollennahrung wird durch Bananen, Brotfrüchte, Blattgemüse, Kokosnüsse,
Zuckerrohr und weiteren Fruchtarten ergänzt.
Die Nahrungsgewinnung in anderen Zweigen als den Bodenbau ist wenig entwickelt. Ebenso ist die
Jagd besonders in Ozeanien nur eine kleine Nahrungsergänzung, da große Tiere fehlen.
Eine größere Bedeutung der Nahrungsgewinnung besitzt die Sammeltätigkeit von
wildwachsenden, vitaminreichen Pflanzenteilen und Insekten. An der Küste ist vielfach die
Hauptquelle der Nahrungsbeschaffung der Fischfang mit Hilfe von Angelhaken, Netzen, Fischwehren
und -reusen, Pfeil und Bogen, aber auch pflanzliches Fischgift wird in stillen Gewässern
eingesetzt. Fisch erwirbt die Bevölkerung in inneren Landesteilen durch Tausch mit
Bodenfrüchten.
Wo die Bewässerung des trockenen Bodens keinen Sinn macht, baut man als Hauptnahrung Yams
(Dioscorea) - eine Kletterpflanze an. Die Knollen werden einmal jährlich angebaut, reifen in etwa
acht Monaten und werden bis zur nächsten Ernte im kommenden Jahr in Vorratshäusern aufbewahrt.
Im Hochland von Neuguinea - etwa in 2000 Meter Höhe - ist das Grundnahrungsmittel die anspruchslose
Batate oder Süßkartoffel (Ipomoea batatas), die 90 Prozent der Gesamtnahrung ausmacht.
Ergänzt wird sie durch Blattgemüse. Im Osten pflanzt man Batate auf gepflegten Beeten an,
hingegen im sumpfigen Hochland von Westirian Entwässerungsgräben zwischen den Bataten
nötig sind.
Extrem schwierig ist der Anbau von Nutzpflanzen auf der Frederik-Hendrik-Insel - in der
Papua-Gruppe, wo ausgedehnte Sumpfgebiete vorherrschen. Auf künstlich angelegten Inseln befinden
sich das Wohnhaus sowie die Anbauflächen für Fruchtbäume und Knollenpflanzen.
Im sumpfigen Tiefland großer Flüsse und in Papuagolf bildet das Mark der wildwachsenden
Sagopalme (Metroxylon) die Nahrungsgrundlage vieler Menschen, auch wenn sie noch einwenig Bodenbau
betreiben. Um das Mark der Sagopalme zu gewinnen, spaltet man den Stamm in Längsrichtung, hackt
das Sajo heraus, wäscht es in einem Kokosfasersieb, wobei die Stärke von den Holzbestandteilen
getrennt wird. Feucht oder getrocknet ist das Sago über einen längeren Zeitraum haltbar. Die
auf der wildwachsenden Sagopalme basierende Ernährung ist krisenfester als der von ungünstiger
Witterung abhängige oder Schädlingsbefall bedrohte Anbau der Knollenfrüchte.
Auf den Neuen Hebriden und im Hochland von Neuguinea liefert zudem die Haltung von Schweinen eine
weitere Nahrungsicherung.
Auf allen Inseln in Ozeanien werden die Speisen im Erdofen - einer Erdgrube - zu bereitet. Auf
ausgelegten Blättern werden schichtweise Speisen und erhitzte Steine und Blätter aufgetürmt
und zum Abschluß mit Erde verschlossen. Nach mehreren Stunden ist das Fleisch und die
Knollenfrüchte gedünstet, aber auch über offenem Feuer und in Bambusrohren werden
die Speisen getröstet. Den Melanesiern ist auch das Konservieren von Nahrungsmitteln bekannt.
Beispielsweise werden Samen verschiedener Fruchtbäume für die Aufbewahrung getrocknet. Andere
Gewürze außer Salz, welches aus Meereswasser oder Pflanzenasche gewonnen wird, kennt die
Bevölkerung dieser Inselwelt nicht. Die Milch junger Kokosnüsse oder Wasser sind die
typischen Getränke der Melanesier. Auf den Inseln hat sich das Rauchen stark verbreitet.
In Siedlungen mit Frauenhäusern, den sogenannten Familienhäusern, und Männer- oder
Junggesellenhäusern, in denen die unverheirateten Männer wohnen - ist ein sogenanntes Haufendorf -
leben die Melanesier. Alle wichtigen öffentlichen Angelegenheiten werden hier beraten und Feste
gefeiert, weshalb sie auch als Versammlungshäuser dienen. Etwa 25 Meter hoch und 150 Meter lang,
was eine bautechnische und künstlerische Höchstleistung für die Neuguinea und im Papuagolf
darstellt, werden die größten dieser Gemeinschaftshäuser. Um Wohn- und Vorratshäuser
vor Angriffen, wilden Tieren oder Überschwemmungen zu schützen, stellt man sie auf Pfähle,
die oft Wasser stehen, was eine noch größere Sicherheit darstellt. In Kriegszeiten lebten
vor allem in Neuguinea die Menschen auf Baumhäusern. Die eckigen oder runden Behausungen hatten
meist nur aus einem Raum und waren aus Holz, Bambus, Bast und Blätter für das Dach
erbaut.
Der geringe Hausrat beschränkte sich auf Schlafgestelle und Hocker, für die Nahrungszubereitung
aus Schabern, Schüsseln und Schöpfkellen, für den Transport und Aufbewahrung geflochtene oder
geknüpfte Tragbehälter aus pflanzlichen Materialien und aus Vorratsgefäßen
aus Holz oder Ton. Auf Melanesien war das von Frauen ausgeführte Töpfern eine charakteristische
Tätigkeit.
Weitgehend überflüssig bis auf das kühlere Neuseeland war die Kleidung. Die Männer
trugen eine zwischen die Beine durchgeführte aus Rindenbast bestehende Binde, hingegen die Frauen
einen Grasschurz oder ein Rindenbaströckchen trugen - der Oberkörper blieb bei beiden
Geschlechtern frei. Heute werden Kleidungsstücke mit europäischen Schnitten
angelegt.
Mit großem handwerklichen Können fertigen die Melanesier aus Muscheln, Schnecken, Holz, Schildpatt,
Bast, Federn und anderen Gegenständen ihre Schmückstücke an. Die Körperbemalung ist
meist von magisch-religiösen Vorstellungen geprägt, die die außerordentlichen Situationen des
Lebens zum Ausdruck bringen wie beispielsweise Trauer, festliche Anlässe oder Krieg.
Wegen zahlreichen Fehden zwischen benachbarter Gruppen war das Tragen von Waffen unabdingbar.
Frauenraub, Kopfjagden oder die Annahme, das Unglück oder Mißgeschick die Ursache eines
bösen Zaubers einer anderen Person waren, gaben Anlaß zur Blutrache. Der Frieden war meist
von kurzer Dauer. Die Waffen der Melanesier waren neben Pfeil und Bogen, auch Keulen, Lanzen und Speere.
Melanesien wies die größte Vielfalt von Waffenarten auf - Pfeile konnten auch vergiftet
sein.
Im küstennahen Bereich war der Einbaum - ein ausgehöhlter Baumstamm - typisch. Für die
Küstenschifffahrt und Reisen über das Meer waren mit Segeln ausgestattete sogenannte Auslegerboote
die beste Beförderungsmöglichkeit. Sie hatten zur größeren Sicherheit auf einer -
seltener auf beiden Seiten - einen Schwimmbalken, der durch Querstangen mit dem Bootskörper verbunden
war.
Auf den südlichen Salomonen waren Plankenboote - sogenannte Mon-Boote - mit hochgezogenen Bug und
Heck - allerdings ohne Ausleger - verbreitet, die mit Perlmuttscheibchen verziert waren. Die hohe
Kunst des Bootsbaus ging mit der Kolonnisation verloren.
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