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Kulturareal Ostsudan


 
 

Die Völker in Ostsudan

 
Afrika Der Ostsudan besteht in seinem Landschaftsbild aus drei Vegetations- und Klimazonen. Auf beiden Seiten des Nils im nördlichen Teil erstrecken sich Wüsten mit kleinen Landstrichen, die spärliche Vegetation zulassen und einige wenige Oasen. Kleine Nomadengruppen mit wenigen Kamelen, Schafen und Ziegen bieten sie gerade ausreichend Existenzmöglichkeiten. Im Niltal sind nur an einigen Plätzen Pflanzenanbau lohnenswert. Savannen und Steppen mit unterschiedlicher Vegetationsdichte beherrschen das Landesinnere, die nach Norden Darfors und Kordofans in Trockensteppe und Wüsten übergehen. Feuchtsavannen und Regenwaldzonen bestimmen das Landschaftsbild im Süden von Ostsudan. Hier leben die sogenannten Regenzeitfeldbauern und Nomadengruppen. Sehr fruchtbar ist das Land zwischen Weißen und Blauen Nil. Sümpfe und überschwemmte Gebiete sind für die oberen Nilgebiete typisch, aber auch trocknene Landstrichen können hier auftreten.

Fünf Gruppen werden nach ihren Sprachen in diesem Gebiet unterschieden. Arabisch sprechen die Sudanesen - auch Sudanaraber genannt, die im Norden und der Mitte des Sudans leben. Zwischen Roten Meer und Nil-Atbara sind die Bedscha, Nomadenstämme mit kuschitischen Sprache, anzutreffen. Auf beiden Seiten des Nils im Norden von Sudan und zum Teil in Kordofan sind die Nubier heimisch, deren Sprachfamilie den Wissenschaftler allerdings ein Rätsel aufgeben. DieVölker und Stämme im Westen und Südwesten sind Angehörige der Sudansprachen wie die For, die Azande, Moru-Madi, Bongo, Sere-Mundu und weitere Stämme. Völker der nilotischen Sprachfamlie sind im Süden vertreten.

Der größte Bevölkerungsteil des Ostsudan wird anthropologisch der negriden Rasse zugeordnet, ebenso die sudanarabischen Stämme, die als Nomaden durch die Steppen streifen, deren Sprache, Lebensweise und Gebräuche aber arabisch ist, unterscheiden sich nur durch eine hellere Hautfarbe. Die Bedscha im Nordosten sind vom äthiopischen Rassentyp, die Nubier haben dunkelbraune Hautfarbe, dunkles, krauses Haar und sind kleinwüchsig. Im Süden des Ostsudans ist unter den nilotischen Völkern der hohe Wuchs und die tiefschwarze Hautfarbe charakeristisch.

Der nördliche Teil des Ostsudans, welches auch als Nubien bezeichnet wird, ist bereits im 3. und 2. Jahrtausend v. u. Z. in Besitz von Ägypten, die Pharaonen festigen ihre Macht in Nubien im 16. und 15. Jahrhundert v. u. Z. und ägyptische Kultur wie Architektur, Schrift und Religion breiten sich aus bevor in Nordsudan das Reich Napata entsteht und sich in der 25. Dynastie Ägypten beherrscht. Im 3. Jahrhundert v. u. Z. ist die Macht von Napata rückläufig, so dass sich der Staat Meroe entwickeln kann. In beiden Zentren wurden die meisten Arbeiten von Sklaven verrichtet und Bauern arbeiteten auf den Feldern des grundbesitzenden Adels und der Tempelpriester. In Meroe besaß man sogar schon eine Schrift und Kunsthandwerk und Handwerk hatte sein Blüte erreicht. Kriege gegen die Bedscha und der Einfall des Herrschers von Aksum mit seinen Heeren beendeten um 350 u. Z. die Macht von Meroe. Im Norden des Sudans entwickelten sich seit dem 7. Jahrhundert die Staaten Mukurra und Aloa.

Das aus Ägypten kommende Christentum übernahm einen Großteil der Bevölkerung.

Araber, die seit dem 9. Jahrhundert nilauswärts vordrangen, stürzten Mukurra im 12. Jahrhundert - gleiches geschah 3 Jahrhunderte später auch Aloa. Der Islam hielt Einzug. Seit der Zeitenwende ströten arabische Gruppen in den Sudan ein - ab dem 13. Jahrhundert kamen größere arabische Gruppen hinzu, besiedelten den gesamten Sudan und vermischten sich teilweise mit der einheimischen Bevölkerung. Im Niltal und zwischen den Nilflüssen entwickelte sich im 15. Jahrhundert das Sultanat von Sennar - ein islamischer Staat. Die Fung waren das Staatsvolk und Arabisch war die Amtssprache.

Im Westen von Ostsudan entstand das Sultanat Darfor, welches als Staatsvolk die For hatte und zahlreiche arabische Nomadengruppen. Bis ins 19. Jahrhundert gab es die beiden Sultanate bevor von 1820 bis 1874 Truppen des ägyptische Khedive Ostsudan einnahmen. Der Sklavenhandel blühte im 19. Jahrhundert. Reiche Händler organisierten den Sklavenfang und drangen dabei bis in die Nilsümpfe vor. Dezimiert oder ausgerottet wurden zahlreiche Bevölkerungsgruppen wie beispielsweise die Niloten und Azande. Selbst arabische Nomadenstämme beteiligten sich an der Sklavenjagd und erzielten daran riesengroße Gewinne. Besonders begehrt waren angesehene Oberhäupter und Kriegshäuptlinge. Trotz das 1875 der ägyptische Herrscher die Sklavenjagd verbot, ging der Sklavenhandel weiter.

Gegen die britisch-ägyptische Vorherrschaft begann im Jahre 1881 der Unabhängigkeitskrieg des Gesandten Allahs - dem Mahdi. Mehrfach wurden die ägyptischen Truppen besiegt bis sie endlich aus dem Lande vertrieben werden konnten. Es entstand ein straff organisierter Staat der Mahdisten, dessen Heer teilweise aus den Kriegergefolgschaften des Baggara-Adels - die Baggara-Nomaden beteiligten sich einst an den Sklavenjagden - bestand. Dem Mahdi und seiner Bewegung, die sich mit vielen Bevölkerungsgruppen vermischten, was teilweise zu deren Auflösung führte, folgten aber nicht alle Nomadengruppen. Britisch-ägyptische Truppen schlugen 1898 die Mahdisten, weshalb der Ostsudan in den Herrschaftsbereich von Großbritanien kam. Erst 1956 gelangte das Land seine Unabhängigkeit.

Arabisch spricht etwa die Hälfte der sudanesischen Bevölkerung wie die Sudanaraber und Nubier. Die meisten Nachkommen fühlen sich einer historisch bekannten arabischen Einwanderungsgruppe zugehörig. Als Araber bezeichnen sich die meisten Altansässigen und leiten ihre Herkunft von Persönlichkeiten des Propheten Mohammed oder von ihm selbst ab. Eine feste Stammesorganisation haben nur noch die Nomaden.

Die Nubier, die im Norden des sudanesischen Niltals siedeln, gehören neben den Bedscha-Nomaden und den Nuba zu der ältesten Bevölkerung des Ostsudans. Auf Anhöhen errichtet, sind ihre Siedlungen, deren Häuser oft an Uferfelsen stehen und aus Schlammziegeln erbaut werden. Ein langes tunnelähnliches Haus mit gewölbtem Dach ist der typische Baustil der Nubier. Wie bei den ägyptischen Fellachen ist das Innere des Hauses eingerichtet. Die auf den Feldern angebaute Hirse findet bei der Bierherstellung Anwendung. Die meisten Nubier gehen außerhalb ihrer Heimat einer Arbeit nach. Sie sind nur kurze Zeit im Jahr bei ihren Familien. Neben ihrer Muttersprache sprechen alle Arabisch.

Im Niltal und in Nubien ist nur auf bewässerten Land Ackerbau möglich. Wenn der Nil Hochwasser führt wird ein Teil deises Landes ¨berflutet. Mit einer Hacke oder einem Trittgrabstock werden die Felder bearbeitet. Mit Schöpfeimern oder dem Schaduf werden höher gelegene Felder bewässert, bei größeren Anbauflächen kommt eine sogenannte Sakiye zum Einsatz. Oft sind die Felder sehr klein und gehören meist mehreren Familien, die das mit dem Sakiye gehobene Wasser nach Leistung auf ihre Felder verteilen. Selbst heute kommen noch Schöpfräder am Nil vor, da der Sudan nach einem Vertrag mit Ägypten nur eine bestimmte Menge Wasser entnehmen darf. Berechnet wird aber nur das aufgestaute bzw. durch Pumpen entnommene Wasser. Der Regenzeitfeldbau ist in Savannen- und Steppengebieten typisch, wo Hirse angebaut wird. In Kordafan bewässert man kleine gartenähnliche Flächen, die dann vor allem für Bohnen, Kürbisse und Melonen genutzt werden. Sehr unterschiedlich groß sind die Ansiedlungen, die in selten Fällen mal mehr als 100 Einwohner haben. Kreisrund sind die Mehrzahl der Häuser, die aus Stangen und Flechtwerk bestehen und mit Lehm beworfen sind. Aus Holzstangen mit gebundenen Strohbündeln bestehen die Dächer.

In Steppengegenden ist der Boden frei und in Orten gehört jedem Einwohner ein Stück Land. Künstlich bewässertes Land und die in niederschlagereicheren Gegenden ist das Land Privateigentum. In Savannen- und Steppengebieten hält die Bevölkerung, je nach Besitz, Schaf- und Rinderherden. Bei den größeren und kleineren Nomadengruppen ist die Zusammensetzung der Viehherden, die aus Kamelen, Rinder-, Schaf- und ziegenherden bestehen können, sehr unterschiedlich. Welches Gebiet eine Gruppe durchwanderten, st von den Trocken- und Regenzeitenzyklen abhängig. Die Großfamilie bildet die Grundlage ihrer gesellschaftlichen Organisation - oft sind auch mehrere Großfamilien zu einem Stamm vereinigt. Der Besitz ist bei vielen Stämmen sehr unterschiedlich, besondere Unterschiede zwischen den einzelnen Familien gibt es bei den Baggara-Rindernomaden. Kunstvolle Leder- und Schmiedearbeiten sind von einigen Nomadenstämmen sehr bekannt.
Zwischen den beiden Nilflüssen südlich von Khartum wurde ein großes Bewässerungssystem mit einem Staudamm am Blauen Nil und zahlreichen Kanälen und großen Wasserreservoires errichtet, wo auf bewässerten Boden, der in Privatbesitz ist, Baumwolle gewonnen wird. Eine Gesellschaft verpacht parzelliertes Land an Pächter, die in neuerrichteten Siedlungen wohnen. Sie kamen aus dem ganzen Land, um sich hier anzusiedeln. Selbst Pilger, die nach Mekka unterwegs sind, unterbrechen ihre Walfahrt.

Im Süden des Sudan und in Äthiopien sind die größte Bevölkerungsgruppe die Niloten. Zu ihnen gehören die Bari, die Dinka, die Nuer und die Schilluck. Außerdem siedeln im Gebiet noch Hirsebauern, sie sind die ältesten ansässigen Bevölkerungsgruppen. Vor 400 bis 500 Jahren sind wahrscheinlich die Niloten aus Gebieten zwischen dem Tana- und Rudolfsee in ihr heutiges Siedlungsgebiet eingewandert. Als Hirtennomaden gingen sie der kombinierten Wirtschaftsführung nach, ebenso spielte die Jagd noch eine bestimmte Rolle.

Sie leben in Siedlungen von unterschiedlicher Größe, die selten mehr als 100 Bewohnern beherbergen. Ihre Hütten sind auch kreisrund, deren Wände aus einer Mischung Lehm und Stroh bestehen. Eine kegelförmige Kuppel aus Gras bedeckten Stangen bildet das Dach. Als Aufbewahrungsbehältnisse dienen aus Leder gefertigte Behälter, in denen die Nahrungsmittel wie beispielsweise die Hirse aufbewahrt werden. Aus Kürbisschalen in verschiedenen Formen sind die Gefäße. Die Frauen wie die Männer tragen lederne Lendenschurze. Zudem gehört zur Frauenbekleidung ein aus Baumwolle gefertigtes langes Hemd, der Mann trägt ein um den Körper geschlungenes Baumwolltuch.

Die Wirtschaftseinheit bildet die patriarchalische Familie - die Ehe ist patrilokal. Der Clan - oft mit Totem - ist die Einheit mehrerer Familien, der wiederum in einen Verband von zehn Stämmen - dem sogenannten Schilluk - noch eine weiterententwickelte gesellschaftliche Organisation darstellt. Der Ref - ein Herrscher - stand an der Spitze, den man höchste Verehrung zukommen ließ und der, so zumindest glaubte das Volk, noch den Geist des ersten Herrschers verkörperte. Noch bevor es zur Errichtung der Kolonialverwaltung kam, hatten die Niloten Unterschiede in den Besitzverhältnissen beispielsweise durch Tierherden. Der Handel mit vieh und das Steuersystem der Kolonialzeit vergrößerten ihn sogar noch. Weitgehend hat die alte gesellschaftliche Organisation ihre Bedeutung verloren. Deshalb arbeiten viele Anghörige der Nilotenstämme außerhalb ihres Stammesgebietes als Saisonarbeiter.

Im Nordosten der Republik Kongo, in der Zentralafrikanischen Republik und im Südwesten des Sudan leben in Feuchtsavannen und im Übergangsgebiet zum Waldland das Volk der Azande. Sie sind Bodenbauern. Zahlreiche kleinere Stämme sind in der Azande-Bevölkerung aufgegangen. Ein Clanverband, der wahrscheinlich aus dem Tschad, kam, beherrscht sie schon seit dem 17. oder 18. Jahrhundert. Nach dem zweiten Weltkrieg wollte man im Niloten- und Zandeland mit dem Baumwollanbau in riesigen Ausmaßen beginnen. Dazu wurde das Land neuverteilt und durch Umsiedlung der produzierenden Bauernbevölkerung sollte sich ein Baumwollmarkt etablieren, was aber wenig Erfolg bisher brachte.

Große Unterschiede bestehen zwischen den von Arabern begünstigten Nordsudan und dem Süden in ethnischer und kultureller Hinsicht. Das Gebiet der Niloten ist nur sehr gering islamisiert worden, da noch die alten Glaubensvorstellungen der Bevölkerung vorherrschen. Im Süden ist durch die Tätigkeit von Missionaren das Christentum auch in größere Gruppen vorgedrungen. England versuchte mehrfach während der Kolonialzeit den Norden mit dem Süden zu verbinden, aber die schlechte Verkehrsbedingungen verhinderten das. Als 1956 der Sudan die Unabhängigkeit erlangte, waren nicht genügend qualifizierte Kräfte für die Verwaltung da, die beispielsweise das Entwicklungsvorhaben voranbringen konnten. Der Süden fühlte sich von den Arabern begünstigten Norden bevormundet, was zu Separationsbestrebungen - Trennungsabsichten - die verschiedentliche Unruhen auslösten, führte.
 
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