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Die Pampas, Patagonien und Feuerland |
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Die argentinische Pampa ist eine von der La-Plata-Mündung südwärts
reichende Ebene, der sich ein vegetations- und regenarmes Tafelland - Patagonien -
anschließt. Beide Areale werden von kalten, wilden Winden heimgesucht. Der Osten
der Pampas ist feucht, von langem Gras bewachsen, während der Westen trocken ist und
dürres Gras vorherrscht und das eigentliche Guanacoland darstellt. Weiter südlich
von Patagonien gelegen befindet sich ein kaltes Inselland um Kap Hoorn - Feuerland.
Die Vorgeschichte der Pampas und Patagonien ist heute noch ziemlich unbekannt. Unter den
prähistorischen Funden sind Faustkeile die interessantesten, welche Forscher den
Altpaläolithikum zuordnen und damit die Einwanderung der ersten Amerikaner um 50.000
Jahren zurückschieben würde. Weitere Funde geben der Wissenschaft noch einige
Rätsel auf.
In der Pampas und in Patagonien lebten die klassischen Jäger des Südens,
Tehueltche, die Puelche und die Querandi, die einst bei der Jagd die berühmte
Bola (wurde auch als Wurfkugel bezeichnet) die an Guanacosehnen oder Lederriemen befestigt
wird, schleuderten.
Im frühen 18. Jahrhundert wurden die Araukaner unter Druck der Weißen über
die Anden in die Pampas gedrängt, wo sich schon seit hundert Jahren Hunderttausende von
Pferden zu wilden Herden zusammengerodet hatten und wo Rinderherden der Weißen zum
begehrten Jagdwild wurden. Unter denen die das Andengebiet verließen, um ostwärts
abzuziehen, waren auch die Pehuenche, was Tannenleute bedeutet. Sie waren die
Erntevölker der Pinonsamen der Andentanne Araucaria imbricata und sie hatten ein
vererbbares Recht in einem bestimmten Bezirk Pinonnüsse zu ernten. Sie kannten auch
Pässe, um in die Pampas zu gelangen, wo Nahrungsüberfluß herrschte. Auch in
der Pampas hatte sich der Toldo und das bewegliche Lederzelt entwickelt, ähnlich wie in
der nordamerikanischen Prärie. Hier entstanden für Jagd und Krieg Anführer,
auch Kaziken genannt, mit hoher Autorität. Unter ihnen entwickelten sich genaue Gesetze
zur Teilung der Jagdbeute. Um 1725 zogen auch die araukanischen Puhuenche in die Pampas hinab
und nahmen die Kulturelemente dieser Region an, wie den Toldo, das Kochen mit heißen
Steinen im Körper des geschlachteten Tieres, das Waschen des Gesichts mit Pferdeblut,
die Körperreinigung mit eingeriebenem Ton und das Herstellen von Alkohol aus Wildschoten.
Die araukanische Sprache war dominierend in der Pampa. Der argentinische General Roca unternahm
1879 eine furchtbare Expedition in die Große Ebene und beendete somit fast vollständig
die Lebensweise der indianischen Pampajäger.
Die südlichsten Vertreter ausgesprochener Fuß- und Landindianer sind die fast
ausgestorbenen Ona. Das Hauptwild dieser Jäger, die kein Kanu verwendeten, war
das Guanaco. Aber auch der Fuchs war ihre Beute, den der erfolgreiche Jäger um Verzeihung
bat, um das Wohlwollen der Fuchsgeister nicht zu verlieren. Die Ona trugen Capes aus Guanacofell,
welche mit Sehnen zusammengenäht waren und deren Lederseite mit roter Farbe und Fett
eingerieben waren. Die Frauen ergänzten diese Kleidung noch durch einen Pelzrock. Die Ona
besaßen kein Haus, sondern wohnten hinter halbkreisförmig aufgestellten Windschirmen
aus Guanacofell. Auf ihren Wanderungen wurden die Gebrauchsgegenstände in die Windschirme
eingewickelt und von den Frauen auf dem Rücken getragen. Die Männer hingegen stellten
dem Wilde nach. Dazu verwendeten sie ihren fein verarbeiteten gerieften Birkenholzbögen,
welcher einen tropfenförmigen Querschnitt besaß und eine Länge von fast zwei
Meter erreichte und ihre aus vier verschiedenen Holzarten sorgfältig gefertigten gefiederten
Pfeile. Sie verstanden es auch mit Pilzzunder und Eisenschwefelkies Feuer zu erzeugen, benutzten
lederne Wassereimer, Hundeleinen, Lederbehälter und vielerlei geflochtene Körbe.
Weiterhin verwendeten sie Kämme aus Holz oder Walfischbein, Fellkratzer aus Muscheln (die
später durch vom Meere angeschwemmte Glas- oder Metallteile ersetzt wurden), Keulen zur
Lederbearbeitung und zur Jagd und die so wichtigen Ahlen zum Bohren der Löcher, durch die
der Sehnenfaden gezogen wurde. Sie verstanden es aber auch Wassertiere, wie Seehunde, Aalen,
Enten, Kormorane und Krebsen nachzustellen. Ihre Wirtschaftseinheit war die Familie als Teil
einer größeren Lokalgruppe. Viele Menschen kamen zusammen bei besonderen Ereignissen,
wie wenn ein Wal gestrandet war oder bei der Feier der Aufnahme eines jungen Ona in die
Gemeinschaft. Zuvor lag aber eine zwei Jahre lang schwere Ausbildungszeit hinter ihm, die mit
einer festlichen Feier endete. Zu dieser Feier waren Masken im Gebrauch und in
Zeremonialhäusern mußten die Neulinge bei körperlicher Marterung ihren Mut unter
Beweis stellen. Die Ona hatten einen lebhaften Jenseitsglaube, ein reiches Mythengut und ein
machtvoll ausgebildeter Schamanismus kennzeichnen ihre geistige Kultur.
Die südlichst wohnenden Menschen der Erde sind die Yahgan, die auf Feuerland leben.
Vor rund 100 Jahren gab es noch rund 3.000 Yahgan. Durch Krankheiten und grausame
Verfolgungsjagden sind sie jedoch fast ausgerottet wurden. Andere Mitglieder dieser Gruppe, wie
die weiter nördlich lebenden Chono, die mit Kanus ihre Nahrung aus dem Meer holten,
sind verschwunden. Heute gibt es aber noch Gruppen der Alakaluf. Forscher, wie Fernao de
Magalhaes, der 1519 Feuerland erreichte und Darwin, hatten trotz des schon antarktischen Klima
fast unbekleidete Indianer angetroffen. Sie schützten ihre Haut mit dick aufgetragener
Bemalung aus Fett und Farbe, ein nur bis zur Hüfte reichendes Seehundfell war über die
dem Winde zugekehrte Schulter geworfen. Ihre Behausung war ein aus zusammengebogenen Bäumchen
bestehender, mit Blättern, Farnen, Tang und Rinde bedeckter Unterschlupf. Sie besaßen
geflochtene Tragsäcke und Körbe. Sie benutzten Muschel- und Steinmesser, aus Knochen
bestehende Fellkratzer und Hammersteine zum Zerkleinern von Tierknochen. Ihre Kanus wurden aus
Rinde zusammengenäht. Sie hatten fünf Speertypen zur Jagd. Ferner benutzten sie die
Keule, Schlinge und Bogen. Zu ihrer Nahrung gehörten Meeressäuger, Muscheln, Krebse,
Seevögel und deren Eier wie auch Pilze und Beeren. Die rauhe Umwelt erzeugte ein stark
entwickeltes Innenleben, mythenreich, mit Medizinmännern (auch Medizinfrauen) als
wichtigste Glieder der Gemeinschaft, deren Grundeinheit die Familie war. Die komplizierten
Aufnahmeriten der Jugend in den Kreis der Erwachsenen lassen auf eine höhere Kulturform
schließen, die durch die Verdrängung an die Südspitze des Erdteils sich
verringerten. |
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