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Die Völker der Erde auf www.voelker-der-erde.de
 
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Kulturareal Polynesien
Geschichte und Lebensweise der Völker


 
 

Die Völker der Erde - Das Kulturareal Polynesien

 
Genannte Völker: Maori, Polynesier, Samoaner, Tonganer

Wenn man von den Entfernungen zwischen den einzelnen Inselgruppen ausgeht, so zeigt doch die Bevölkerung in anthropologischer, linguistischer und kultureller Beziehung eine ziemlichroße Einheitlichkeit. In der Landwirtschaft führte die Entwicklung beim Anbau ihrer Hauptnahrung - dem Taro - zum Terrassenbau mit Bewässerungssystemen. Zudem werden noch Bananen, Bataten, Brotfruchtbäume, Kokospalmen, Yams und Zuckerrohr kultiviert. Aber auch eine Reihe von Wildpflanzen wie beispielsweise dem Pandanusbaum - aus dem Nutzholz gewonnen - und die am Strand wachsende Tacca-Pflanze - aus der Stärke hergestellt wird. Die Polynesier erlangen auch einen wesentlich Teil ihrer Nahrung durch Fischfang - in künstlichen Teichen betreiben sie sogar Fischzucht.

Auf allen Inseln wird auch Haifischfleisch gegessen und die besonders bei den Samoanern als Delikatesse beliebten Palolowürmer (Eunice viridis), die jährlich zu einer bestimmten Jahreszeit für wenige Stunden massenweise auftreten und mit Körben, Netzen und weiteren Gefäßen gefischt werden. Verzerrt werden auch die gehaltenen Schweine und früher galt der Hund als Festbraten auf Hawaii, Samoa, Tahiti und anderen Inseln.

Polynesien Neben den Mikronesiern galten besonders die Polynesier als Meister des Bootsbaus. Ihre mit dreieckigen Mattensegeln ausgerüsteten Doppelboote mit einer Länge von 40 Metern und einer Breite von 10 Metern, die 200 bis 300 Personen aufnehmen konnten und von den Fidschi-Insulanern gebaut worden, konnten es von ihrer Seetüchtigkeit her mit denen der Wikinger verglichen werden. Als Orientierung auf ihren wochenlangen Fahrten dienten die Gestirne, Meeresströmungen und die Winde. Als Nahrung kamen bei den Polynesiers lebende Schweine und Hunde mit an Bord, mitgenommene Kokosnüsse, als Dauernahrung das getrocknete Fruchtfleisch der Pandanusfrucht, geröstetes Taro und Dörrfisch. Unterwegs ergänzte man die Nahrung noch durch Fischfang.

Handwerkliche Erzeugnisse besitzen eine sehr hohe technische Vollkommenheit und von der Gestaltung her ein ausgesprochenes ästhetisches Aussehen. Die Maoris in Neuseeland gestalten ihre Schnitzereien mit wunderschönen Spiralornamenten und die Tonganer und Marquesas-Insulaner verzierten ebenso schön ihre Holzkeulen. Schön anzusehende Verzierungen sind an Hauspfosten und Booten angebracht. Geschliffener Nephrit - besonders schöne Kristalle des Nephrits erreichen Edelsteinqualität - verwendeten die Neuseeländer für die Verzierung ihrer Waffen ebenso wie auch als Schmuck. Die Webkunst wie auch die Töpferei sind in Polynesien fast unbekannt. Dafür besitzen die Frauen hervorragende Fähigkeiten bei der Herstellung von Rindenbaststoffen. Gewonnen wird das Material vom Brotfruchtbaum (Artocarpus) und vom Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyrifera) aus der Bastschicht zwischen Stamm und Rinde. Die Bastschicht wird nach längeren Wässern durch sogenannte Holzschläger von der korkigen Rinde befreit und solange weiter geklopft bis sie ganz dünn ist. Der Schlägel wiederum ist mit Ornamenten verziert, die durch das Klopfen auf dem Rindenbaststoff, dem Tapa, ein Muster hinterlassen. Nach dieser Prozedur bemalt man den Baststoff entweder mit dem Pinsel, einer eingefärbten Matrize oder mit Hilfe von Stempeln. Die verwendeten Farben sind immer Gelb, Braun und Rot.

Für Kleidung, Schlafdecken und für die Verkleidung des Bodens während der Mahlzeiten werden die hergestellten Baststoffe verwendet. Als typische Kleidung, die eine malaio-polynesische Erfindung sind, gelten die ärmellosen Umhänge, die an der Seite offen getragen werden. Die Männer kleiden sich mit einer Tapa-Binde und die Frauen mit einer Kleidmatte. Bei den neuseeländischen Maori ist das Klima kühler, weshalb sie als Schutz aus den Fasern des einheimischen Flachses (Phormium Tenax) durch Knüpfen lange Mäntel und Umhänge herstellen. Besonders wertvolle Umhänge fertigt man aus Hundefellen oder Federn. Die prachtvollen Federmäntel und -umhänge trugen einst die Häuptlinge der alten Hawaii-Kultur. Tausende von gelben, roten und schwarzen Federn benötigt man für die Herstellung eines solches Kleidungsstückes.

Der größte Teil der Bevölkerung Ozeaniens beherrscht die Kunst des Tatauierens - seine Vollendung erreichten vor allem die Polynesier wie die Samoaner, Maoris und die Marquesas-Insulaner. Dabei wird der Ruß der ölhaltigen Lichtnuß (Aleurites moluccana) unter Beimengung von Wasser und Kokosnußöl zu einem schwarzen Farbstoff verrührt, die Zinken der Tatauierharke in den Farbstoff eingetaucht und mithilfe eines Schlägels unter die Haut gebracht - wird als Stichtatauierung bezeichnet. Es werden meist nur einzelne Körperteile, bei den Marquesas-Inseln auch der ganze Körper, tatauiert. Als dunkelblaue Färbung scheint das gestochene Muster bei hellhäutiges Polynesiern und Mikronesiern durch die Haut.

Eine Klassengesellschaft ist auf den polynesischen Inseln anzutreffen. Es gibt eine mit Vorrechten ausgestattete herrschende - meist als Adel bezeichnete Schicht - aus denen die Häuptlinge und Priester hervorgingen und die sogenannten Freien - manchmal auch als Sklaven genannt werden. Ganz besonders war diese Schichtung auf den Tonga-, Hawaii-, Samoa- und Tahiti-Gruppen ausgebildet. In Neuseeland und den Koralleninseln war diese gesellschaftliche Schichtung weniger ausgebildet. Unter dem Adel gab es Familien, die ihren Ursprung von den Göttern herleiteten und schon zu Lebzeiten eine göttliche Verehrung genossen und eine Adelsschicht, in welcher Rangunterschiede ersichtlich waren. Machtkämpfe waren die Folge. Diese nutzten die Kolonialmächte rücksichtslos aus.

 
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