|
|
|
Indianer des Südwestens |
| |
Im Osten von Kalifornien und im Süden des Großen Beckens
schließt sich ein Gebiet an, was als der Südwesten bezeichnet wird. Hier
lebten Menschen, die bereits vor dem Eindringen der Weißen zu etwa 90 Prozent
aller Indianer ihre Hauptnahrung durch Bodenbau selbst produzierten. Diese
indianischen Gruppen lebten natürlich in größeren Gruppen zusammen,
während Jäger in kleinen Gruppen über große Gebiete verstreut
lebten. Als Pflanzgerät verwendeten sie angespitzte Grab- und Wühlstöcke.
Die Hauptanbaupflanze war der Mais.
Auf den spärlich bewachsenen und den oft schon wüstenartigen Hochebenen
New Mexikos, Arizonas, den südlichen Utah und Colorado zeugen gut erhaltene
Ruinenstätten für eine über 2000 Jahre dauernde indianische Geschichte.
Erste Funde menschlichen Lebens reichen bis ins siebente Jahrtausend v. u. Z.
zurück. Im Gebiet des Südwestens lebten etwa 100 Jahre nach der Zeitrechnung
Jäger, die Körbe herstellten in der Spiralwulsttechnik (auch als Korbflechter
bezeichnet). Ihrer Kultur folgten die "Cliff-dwellers", benannt nach ihren
Steinhäusern unter überhängenden Felswänden der Canons. Sie betrieben
bereits Ackerbau und stellten bemalte Tongefäße her. Aus der
"Cliff-dwellers"-Kultur entstand die Pueblokultur, deren Blütezeit zwischen
900 bis 1300 lag.
Info: Pueblo ist kein Name eines Indianerstammes, sondern bezeichnet die
eigentümliche Siedlungsform der hier wohnenden Indianer. Pueblo bedeutet im
Spanischen »Dorf« oder »Volk«. Ähnlich wie Bienenwaben sind ihre Häuser
anein- und aufeinander gefügt worden (mehrere terrassenförmig angeordnete,
kastenartige Wohnräume). Pueblos werden auch als "Einhausdörfer" bezeichnet.
Die Dächer wurden mit Baumstämmen gedeckt, auf denen Zweige und Gras gelegt
wurde und mit einer darauf abschließenden Lehmschicht bedeckt. Als Baumaterial
verwendete man Steinplatten oder Adobe - ein ungebrannter Ton. Der Zutritt erfolgte
mit Leitern über im Dach eingelassene Einstiegsluken.
Bis heute lebt diese Kultur in bescheidenem Umfang fort. Die Zuni, die
Keres, die Tano und die schoschonischen Hopi sind Vertreter dieser
Kultur.
Die Bauform dieser Wohnstätten war als Vorsichtsmaßnahme notwendig, um die
Überfälle früher häufig einfallender Apachen zu verhindern.
Auch die Pueblo-Indianer betrieben Ackerbau, wobei der Mais als Hauptnahrungsmittel
die größte Rolle spielte. Es wurden ferner Bohnen, Kürbisse, Baumwolle
und Tabak kultiviert. Die Felder waren in Terrassenform angelegt und mußten
über Wasserkanäle, die mit Staudämmen verbunden waren, bewässert
werden. Die Männer bearbeiteten die Felder mit hölzernen Grabstöcken,
die Frauen machten die Aussaat. Bereichert wurde die Nahrung durch auf Sandsteinplatten
zermahlene Maiskörner, die zu Fladen gebacken wurden oder als gekochte Speise. Die
Jagd spielte eine untergeordnete Rolle, welche mit Pfeil und Bogen oder mit dem
Rabbitstick (bumerangähnliche Wurfkeule) unternommen wurde.
Aus Gras, Fasern und geschälten Weidenzweigen wurden Körbe, Teller und
andere Gegenstände in der Spiralwulsttechnik kunstvoll hergestellt, die oft rot,
grün oder blau gefärbt waren.
Auch das Töpferhandwerk wurde fortgeführt und weiterentwickelt. Es wurden
Töpfe, Schalen und Figurengefäße, die mit braunen, schwarzen und gelben
geometrischen und tierischen Ornamenten verziert waren, gefertigt. Eine Sonderstellung
nahmen die korb- und krugartigen Tongefäße der Tewa ein. Sie waren
tiefschwarz und glänzend poliert auf der Oberfläche. Die Webkunst war auch
beachtenswert. Auf vertikalen oder horizontalen Webrahmen fertigten sie buntgefärbte
und gemusterte Decken, Lendenschurze, Gurte und Schärpen.
Im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben der Pueblo-Indianer war die
Dorfgemeinschaft bestimmend. Die blutverwandtschaftlich organisierten Totemclans und
Männerbünde nehmen jedoch Einfluß darauf.
Bei den Pueblo-Indianern waren die religiösen Vorstellungen eng mit dem Ackerbau
verbunden. Vor allem der Regenzauber und die Fruchbarkeitszeremonien besaßen
unter den kultischen Handlungen große Bedeutung. Es wurden Maskentänze
abgehalten, bei denen Katcinas - Ahnen und Totengeister - auftraten, die das Wachstum
und die Reife des Maises positiv beeinflussen sollten. Es wurde während der
Jugendweihe von den Maskentänzern Katcina-Puppen an die Weihlinge verteilt. In
unterirdisch angelegten Räumen, den Kivas, wurden geheimgehaltene Zeremonien
abgehalten. Auf dem Fußboden der Kivas waren ihre berühmten vielfarbigen
Sandgemälde mit symbolischen Figuren von Gottheiten und anderen mit der
abzuhaltenden Zeremonie in Verbindung stehenden Kräfte dargestellt.
Apachen (auch Apatschen) wie auch Navaho sind die am weitesten nach Süden
vorgedrungenen Stämme der Athapasken-Sprachfamilie. Die Apachen kamen
durch schweifende Jäger sehr früh in den Besitz von Pferden. Der Teil der
Apachen, die Nachbarn der Kiowa und Comanchen (Komantschen) waren, gingen
sehr zeitig zum Präriejägertum über und beschäftigen sich
ausschließlich mit der Büffeljagd. Auf diese Weise kam es zu Veränderungen
in der materiellen Kultur. Ihre kuppelförmigen Grashütten wurden durch das
Tipi ersetzt. Die Kleidung der Männer bestand aus hirschledernen, ponchoartigen
Jacken und Hemden oder echten Ponchos. Die Frauen trugen einteilige Kleider oder
Lederponchos und Röcke. Mokassins und lederne Beinkleider wurden aus einem
Stück gefertigt. Die Apachen waren geschickte Korbflechter. Sie stellten
Körbe und Korbwasserflaschen her.
Ihre Jagd- und Kriegswaffen bestanden aus Pfeil und Bogen (asiatische Doppelbögen),
Keulen, Schilde und Lassos. Sie glaubten an die Heiligkeit der Jagdtiere.
Die Navaho (»Feinde der angebauten Felder«), wie sie von den Bodenbauern genannt
wurden, waren um 1540 als die Pueblo-Indianer nach der Coronado-Expedition in den
Besitz von Ziegen und Schafen so begeistert von diesen Tieren, dass sie seßhaft
wurden und mit der Schafzucht begannen. Als sich die Pueblo-Indianer im Jahre
1680 gegen die Spanier erhoben, wurden zahlreiche Pueblos von den Navaho als
Flüchtlinge aufgenommen. Man heiratete die Frauen der Pueblo und
beschäftigte sich fortan mit der Pflanzenanzucht. Die Navaho übernahmen
das Zeremonialleben, die poetisch herrlichen Gesänge und ehrten nach Art der Pueblo
den Mais und wurden 600 zu Webern. Sie fertigten aus Schafwolle farbenprächtige
Decken an und verstanden kunstvollen Silber- und Türkisschmuck herzustellen. Die
Navaho bewohnen aber weiterhin ihre Erdhütten - die sogenannten Hogans. Im
Kult der Navaho spielten Sandgemälde eine wichtige Rolle. Sie übertrafen
bei deren Herstellung sogar die Pueblo-Indianer. Mit ihrer Teppichwebkunst und ihrem
Schmuck schaffen die heute noch rund 70.000 lebenden Navaho die Werte für ihre
wirtschaftliche Sicherheit.
Die rund 19.000 heute noch lebenden Pueblo-Indianer sind trotz des
jahrhundertedauerten Einflusses des Christentum ihren alten Traditionen treu
geblieben. Auch die Schulen haben sie kaum verändert. Von der Regierung wurden
ihnen Wasserstellen und Weideplätze gewährt. Sie erhalten eine Ausbildung
in ihren Künsten und blieben bis heute ihrer traditionsgebundenen Lebensweise
treu. - Ursprünglich bildeten die Navaho und Apachen einen Stamm.
Weiter südlich der Pueblo-Indianer leben heute noch die Ahnen der
Hohokam-Kultur - die Pima und Papago.
Ihre Wurzeln reichen bis zu den Wildsamenleuten von Cochise zurück. Sie
beherrschten die Kunst des Kanalbaus. Beide Stämme der uto-aztekischen
Sprachfamilie stehen der modernen Entwicklung positiv gegenüber und sind dabei
sich aus den engen Familienbanden zu lösen und erobern so die völlige
Gleichberechtigung im Südwesten. |
|
|
Mehr zum Thema "Indianer"
unter
| |