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Die Völker in Zentralafrika |
Mit Zentralafrika ist das zentrale tropische Afrika gemeint, dass sich von der
Regenwaldzone im Norden des Kongobeckens, Gabuns und Südkameruns bis zu den Galerie- und
Trockenwälder durchsetzten Savannenlandschaften im Süden des Kongos und Angolas erstreckt.
Drei Viertel der Bevölkerung dieses Territoriums sprechen Bantusprachen. Der Nordosten wird von
Menschen bewohnt, die der nilotischen bzw. Sudansprachgruppe angehören. In der Küstenregion
und in den Bergbaugebieten leben Europäer wie Belgier, Franzosen und Portugiesen.
Die Tumbakultur - welche nach dem Fundort am Tumbasee benannt ist - ist eine der ältesten Kulturen
in Zentralafrika. Von dieser Kultur wurden Steingeräte entdeckt. Sie lebten in neolithischer -
vielleicht auch schon - in neolithischer Zeit und bauten Pflanzen an, gingen dem Fischfang nach, jagten
und betrieben auch die Sammelwirtschaft.
Die Pygmäen und Buschmänner sind die heute noch lebenden Bevölkerungsgruppen
dieser Region. Westlich des Hochlandes von Benguella leben im trockenen Küstengebiet einige kleine
Gruppen, deren Verwandtschaft zu den zugerechnet wird.
Am besten an das Leben im Urwald angepaßt - vor allem was die körperliche Konstitution angeht,
sind sogenannte Urwaldjäger, die unter den Namen Pygmäen bekannt wurden. Im Nordostkongo leben
am Iturifluss Gruppen der Akka, Efé und Basua, die alle unter der Bezeichnung
Bambuti zusammengefaßt werden. Von Gabun, Südkamerun bis nach Kongo-Brazzaville und im
zentralen Kongo-Leopoldville ist die Heimat der westlichen Pygmäen - die auch unter dem Begriff Twiden
bekannt sind. Die sogenannten Pygmiforme sind Pygmäengruppen - die Pygmäen selbst haben sich
relativ kaum mit anderen negriden Gruppen vermischt, die sich mit Gruppen ihrer Umgebung vermischt haben.
Die Babinga in Südkamerun und in Kongo-Brazzaville mischten sich ebenso mit Stämmen ihrer
Nachbarschaft. Die Pygmäen gehören der Sudansprachgruppe an, sprechen aber auch die Bantusprache
ihrer Nachbarn.
Ihre Wirtschaft beruht auf der Sammeltätigkeit und der Jagd. Vegetarische Nahrung ist ihre
Hauptnahrung, dazu kommen noch gesammelte Insekten. Kleinsäuger mit oft mit hilfe von Hunden gejagt
werden, ist die Beute der Männer. Die Nahrung wird über Feuer gebraten oder in Bl&auuml;tter
eingehüllt und in der Asche geröstet.
Männer und Frauen tragen eine Lendenschurz aus Rindenstoff oder Fell, der zwischen den Beinen
hindurch vorn und hinten von einem Gürtel gehalten wird. Die Frauen haben zusätzlich hinten und
vorne noch Blätterbüschel befestigt.
Sie leben in einer Wirtschaftseinheit einer Gruppe blutsverwandter Männer mit ihren Frauen und Kindern
zusammen. Die umfassendere Einheit ihrer Zugehörigkeit ist der Clan, der aus mehreren Familiengruppen
besteht und von einem älteren Mann geführt wird. Geheiratet wird außerhalb der eigenen Gruppe
- Exogamie.
Aus einer kleinen Anzahl von runden, kuppelförmigen Hütten, die aus Zweigen geflochten und mit
Blättern bedeckt sind, bestehen ihre Ansiedlungen. Die Seßhaftigkeit der Pygmäen ist vor
allem dem Tausch von Waren mit anderen negriden Gruppen zu verdanken. die Pygmäen tauschen gegen ihre
Jagdbeute Bananen, Knollenfrüchte und eiserne Speerspitzen und Messer ein.den Savannen
Aus dem Norden und aus Savannen des Süden sind einst die negride bäuerliche Bevölkerung in
das Urwaldgebiet des nördlichen Kongos, Gabuns und Südkameruns eingewandert. Wann genau die
Besiedlung dieses Territoriums durch die bäuerliche Bevölkerung erfolgte, ist heute noch
umstritten. Einige Gruppen, so vermutet man, sind erst vor wenigen hundert Jahren hier angekommen.den Savannen
Hühner und Ziegen werden als Haustiere gehalten. Daneben spielt bei einigen Gruppen die Flussfischerei
eine größere Rolle. Dazu werden ganzjährig oder nur zeitweilig Fischzäune, Reusen und
Körbe im Fluss verankert.
Das rechteckige Giebeldachhaus ist in den Siedlungen des Waldlandes typisch, deren Wände aus Pfosten,
die mit Palmenblättern verkleidet sind, bestehen. Pflanzenfasern, die kunstvoll geflochten werden,
ist der Grundmaterial für Kleidung, Matten und Beutel. Aus Holz und Ton werden Gefäße
gefertigt. Schon seit langer Zeit beherrschen die Menschen dieser Gegend die Gewinnung und Verarbeitung
von Eisen zu Buschmessern und Hacken.
Der Clan und die Großfamilie ist ihre gesellschaftliche Organisationsform. Größere
politische Einheiten wurden nicht von den Bauern im Waldland geschaffen, nur eine Vielzahl von
größeren und kleineren Stämmen gibt es. Häufig sind Ehen eines Mannes mit
mehreren Frauen anzutreffen.
In Sprache und Kultur sind die größeren ethnischen Einheiten wie die Pangwe oder
Fang in Südkamerun und Gabun und die Mongo, Bobangi und die Bangala im
zentralen Kongobecken miteinander verwandt. Ihre Sprache gehört zu den Bantusprachen. Die
sudansprachigen Mangbetu und Moru, deren Heimat das Regenwaldgebiet und die Feuchtsavannen
des nordöstlichen Kongos ist, stehen verwandtschaftlich den Azande nahe. Ihre religiösen
Vorstellungen werden vom Ahnenglaube bestimmt und zahlreiche Fruchtbarkeitskulte spielen bei ihrer
wirtschaftlichen Tätigkeit eine wichtige Rolle. Für ihre Initiationsfeierlichkeiten und den
Ahnenkult werden Masken verwendet.
Aus Völkern und Stämmen der Bantusprachgruppe stammen die Savannenbauern des südliches
Kongobeckens und Angolas. Ihre Wirtschafts- und Lebensweise ist auf eine Großviehaltung ausgerichtet,
die aber sehr begrenzt ist. In Angola bestehen die Siedlungen aus runden Kegeldachhütten, hingegen in
Südkongo rechteckige Pyramidendachhütten anzutreffen sind.
Die gesellschaftliche Organisation wird durch mütterrechtliche Erbfolge mit absteigender Linie bestimmt
- matrilineare Deszendenz. Die Clanzugehörigkeit wird von der Mutter geerbt. Hingegen die Ehe von der
vaterrechtlichen Erblinie bestimmt wird und auch wieder ein Mann mehrere Frauen besitzen kann. Hier haben
sich aber - anders als im Regenwaldgebiet - größere politische Einheiten entwickelt, wo manche
Bevölkerungsgruppe sogar ein Staatswesen bildeten. Am unteren Kongo entstand das nach dem Fluss
benannte Kongoreich, dessen Herrscher - der Manikongo - über sechs Provinzen regierte und mehrere
Stämme, die außerhalb der Reichsgrenzen ihre Heimat hatten, zu Tributzahlungen verpflichtet
waren.
An der nördlichen Küste hatte sich im 16. bis 17. Jahrhundert das Loangoreich entwickelt, dessen
Herrscher - der Maloango - eine heilige und mit vielen Tabus versehene Persönlichkeit war. Zahlreiche
Zeremoniells charakterisierten das Hofleben. Im Loangoreich gab es beite, gerade Straßen und einen
Marktplatz. Es gab das mütterliche Erbrecht und der Kronprinz war der Sohn der ältesten Schwester
des Königs. Die Bevölkerung bestand größten Teils aus Freien, die eine Steuer entrichten
mußten, aus Hörigen, die für den Herrscher arbeiten mußten, und eine geringe Anzahl von
Sklaven.
Das Kongoreich wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts von den Portugiesen entdeckt, die Beziehungen zu dem
Herrscher aufnahmen. In der Folgezeit kamen auch Missionare und Gesandte des portugiesischen Königs.
Der Herrscher, zahlreiche Würdenträger und Teile des Volkes wurden christianisiert. Erzogen
wurden Adelssöhne in Portugal, ein Angehöriger der Königsfamilie wurde sogar Bischof in
Portugal.
Gegen andere Völker unternahmen die Portugiesen Kriegszüge, wendeten Bedrohungen gegen das
Kongoreich ab und erhöhten den Einfluss in inneren Angelegenheiten, was schließlich zu zahlreichen
politischen Spannungen führte. Ab dem 16. Jahrhundert brachte der Sklavenhandel nach Brasilien ein
einträgliches Geschäft, so dass sich viele ins Land gekommene Portugiesen bereicherten. Der
portugiesische Einfluss nahm im 17. Jahrhundert ab, woran auch Mitglieder der königlichen Familie
maßgeblichen Anteil hatte. Schließlich mußten die Portugiesen sogar das Land verlassen
und konzentrierten sich in der Folgezeit mehr auf Angola. Grund ihres Rückzuges war der Konflikt mit
Spanien.
Im 16. und 17. Jahrhundert entwickelten sich im südlichen Kongogebiet die Baluba-Staaten heraus. Ebenso
bildete sich das mit ihnen verwandte Volk der Balunda heraus, die ebenfalls Staatswesen gründeten.
Die Herrscherhäuser der Luba-Lunda erreichten vom 18. bis ins 19. Jahrhundert hinein die
größe territoriale Ausdehnung. Der Herrscher war ein sakraler König und die
Gesellschaftsstruktur war frühfeudal. Als Titel trug den Namen Muata Yamwo, dessen Mutter großen
politischen Einfluss hatte.
Das sogenannte Kubareich verliert Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach und nach seinen
Geltungsbereich.
In Zentralafrika waren in den Savannen- und Trockenwaldgebiet die größten und zugleich die
bedeutendsten Völker die Bakongo im westlichen Kongo und nördlichen Angola, die
Bakuba, Baluba und die Balunda im südlichen Kongo und die Bambunda, die
Ovimbundu und die Watschokwe sowie Waluena in Angola. Mehrere Familiengruppen lebten
innerhalb oder außerhalb der Staaten in einer Siedlung, die gemeinsamen Nutzungsanspruch auf das
umliegende Land als zusammengefasste Einheit besaßen. Auf den Versammlungsplätzen der Dörfer -
sogar auf den einzelnen Gehöften - stand jeweils ein Gemeinschaftshaus sowie eine groszlig;e
hölzerne Schlitztrommel, dessen Ton die Männer zusammenrief oder Signale an andere Dörfer
weitergab. Auf den Dorfplätzen wurden auch die Rechtsstreitigkeiten durch den Häuptling, der
bereits seit Alters her das Richteramt inne hatte, beigelegt.
Bei den meisten Gruppen von Zentralafrika war die kunstvolle Bearbeitung von Rindenstoffen und die
Schnitzkunst hoch entwickelt, die zu den eindrucksvollsten Schöpfungen ihrer Kultur gehört.
Als 1885 Zentralafrika kolonial aufgeteilt wurde, fiel ein Teil des Gebietes dem belgischen König zu
und wurde später belgische Kolonnie. Die Bevölkerung der Dorfgemeinschaften wurden während
dieser Zeit verpflichtet, eine bestimmte Menge an Kautschuk und anderen Waldfrüchten zu sammeln,
Kleinvieh und Feldfrüchte abzugeben. Strenge Strafen gab es bei Nichterfüllung. Die Folge war,
dass die Bauern ihre eigenen Felder vernachläßigten mußten, was Hunger zur Folge hatte.
Zudem geführte Strafexpeditionen bei Nichtefüllung der erforderten Auflagen führten zur
Verringerung der Bevölkerung.
Kapitalgesellschaften erhielten umfangreiche Landkonzessionen in der belgischen Kolonnie und halfen somit
bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Mit der Ausbeutung des Bodens mit Plantagen und Bergbau durch die
ausländische Gesellschaften ging der heimischen Bevölkerung ein Teil des Landes verloren. Land
gemeinsamen Besitzes blieb weitgehend erhalten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde durch die Kolonialverwaltung
der Brandrodungsfeldbau durch Feldwechsel - Rotationssystem - ersetzt. Eine Familie bearbeitete mit diesem
Prinzip einen Teil ihrer Felder und ließ die andere Landfläche für bestimmte Zeit brach
liegen.
Die traditionelle Gesellschaft begann sich nach und nach aufzulösen oder zu verändern. Der eine
Bereich war die Landwirtschaft - die Produktion von Pflanzen und der Verkauf. Nach dem 1. Weltkrieg wurde
zwangsweise der Baumwollanbau eingeführt, der 700.000 Familien beschäftigte, die Baumwolle
anpflanzten und verkauften. Um verschiedene Aufgabenbereiche besser bewältigen zu können, schloss
sich die ländliche Bevölkerung zu Kooperationen zusammen. Der zweite wichtige Bereich bildete die
Industrialisierung in Katanga und im Kassaigebiet, wo man mit dem Bergbau begann.
Es dauerte nur wenige Jahrzehnte in denen eine Reihe von größeren Städten entstand, von
denen 15 Städte bis 1960 mehr als 20.000 Einwohner zählte. Knapp 50 Prozent der erwachsenen
Männer in der Ostprovinz, in der Provinz Léopoldville und in Katanga sind als Lohnarbeiter
beschäftigt. Von ihnen wiederum arbeiten mehr als ein Drittel außerhalb ihres engeren Wohngebiet
unter komplett anderen Verhältnissen. In landwirtschaftlicher Produktion sind die übrigen
anzutreffen. Sie sind bei Bauern mit größewrem Privatbesitz in ihrer Heimat oder oder
außerhalb beschäftigt. &Ahnlich war auch die Entwicklung in französischen Kolonnien - nur
die Industrie spielte kaum eine wesentliche Rolle. Die traditionellen Verhältnisse in diesem Teil von
Afrika änderten sich nur unwesentlich. Es gibt aber auch Bevölkerungsgruppen in diesen Ländern,
wo nur wenige Kenntnisse oder gar keine vorliegen.
Seit dem 16. Jahrhundert steht die Bevölkerung der Küste Angolas unter der Herrschaft der
Portugiesen. Erst im 19. Jahrhundert wurde das Innere der Kolonnie erforscht unter unterjocht. Gabun, Kamerun,
Kongo-Léopoldville und Kongo-Brazzaville erreichen 1960 ihr Unabhängigkeit, während Angola
bis 1975 unter portugieser Herrschaft stand.
In Angola und im Kongogebiet ist ein Teil der Bevölkerung durch Missionarstätigkeit zu Christen
geworden, hingegen in der Republik Kongo - genauer in Léopoldville - der Katholischen Kirche
angehören. Der Großteil der Bevölkerung sind Anhänger verschiedener Sekten, deren
Glaubensvorstellungen christliche elemente beinhaltet. |
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